#BARCAMPSPIRIT

 

Max hat Barcamp-Luft geschnuppert. In seinem Beitrag beschreibt er seine Erfahrungen und erklärt, warum vor allem Hochschulen darüber nachdenken sollten, sich diesem Format gegenüber zu öffnen.

Würden wir mehr und offener miteinander sprechen, wäre die Welt ein besserer Ort. Kommunikation ist das Mittel der Wahl, um Konflikte zu lösen – um Probleme zu beseitigen – um Horizonte zu erweitern – um Fortschritt zu erzeugen. Zwei Barcamps, die ich letztens besucht habe, haben mir gezeigt, wie fruchtbar die oftmals verloren geglaubte Kommunikation sein kann. Und wie leicht sie im richtigen Rahmen wiedergefunden werden kann.

Seitdem ich beim Barcamp Rhein-Neckar in Heidelberg und beim Histocamp in Münster war, habe ich Barcamp-Luft geschnuppert. Umso mehr freut es mich, dass ich gemeinsam mit meinen Kolleg*innen von TRANSFER TOGETHER ein eigenes Barcamp auf die Beine stelle, das am 24. November in Heidelberg stattfinden wird (Barcamp³). Ich mache nicht nur dafür Werbung, weil es mein Job ist. Ich möchte, dass sich dieses Format zwischen altbackenen Konferenzen, stummen Seminaren und non-aktiven Workshops fest auf den Terminkalendern der Metropolregion festsaugt.

Aber warum soll es das?

Hört ihr die Transfersignale?

Das aktuelle Hochschulbarometer schreit seinen Leser*innen geradezu ins Gesicht: „Hochschulen, öffnet euch!“ Egal, ob Open Science oder regionale Transferaktivitäten – der akademische Elfenbeinturm verkommt (endlich) zum staubigen Relikt. In den Gerümpelkammern der Hochschulen wird bereits Platz geschaffen, gleich neben kostenintensiven Wissenschaftsverlagen und hölzernen Zettelkatalogen.

Transfer, Transparenz und Kommunikation stehen jetzt auf den Förderanträgen und hochschulinternen Leitlinien. Und es wäre ein Fehler, sie als platte Floskeln abzutun. Ich öffne die Hochschule nicht, wenn ich meine ellenlangen Manuskripte jetzt einfach als öffentliche Vorträge wiederverwerte. Kommunikation auf einer Ebene, statt Top-Down. Gespräche mit anderen an einem Tisch, anstatt vom Rednerpult herab. Wissenschaftler*innen sind Teil der Gesellschaft und sollten sich daher nicht künstlich von ihr distanzieren.

Ich glaube, vor allem für Hochschulen sind Barcamps ein attraktives Format, um den eigenen Transferwillen unter Beweis zu stellen.

Aber was ist eigentlich ein Barcamp?

Vorweg: Streicht den Gedanken an gezapften Gerstensaft und beschirmte Cocktails aus euren Köpfen. Barcamps haben (in der Regel) nichts mit einer Bar gemein. Ihr müsst es euch eher als große Gesprächs- und Ideenplattform vorstellen. Jemand organisiert – oft mithilfe von Sponsoren – ein paar Räume mit WLAN, stattet sie mit Snacks, Getränken und Flipcharts aus und öffnet die Türen für alle, die Freude am Austausch über ein möglichst offenes Thema haben.

Nach einer kurzen Anmoderation kann es losgehen: Ihr überlegt euch Themen, über die ihr reden wollt und ihr bestimmt auch, wie das geschehen soll. Im gesprächigen Sitzkreis, mit Powerpoint und Rednerpult oder im kreativen Spaziergang an der frischen Luft – es gibt keine Regeln. Die Moderation ordnet lediglich die verschiedenen Themen (Sessions) in einem Zeitplan und weist Räume zu (Sessionplan). Von da an liegt es an euch. Ihr macht das Barcamp einzigartig. Ihr gestaltet die Sitzungen durch eure Ideen, eure Beiträge und Diskussionen.

Eindrücke vom Barcamp Rhein-Neckar 2018. Fotos (links und mittig) von Valentin Bachem, Lizensiert unter CC-BY-SA 2.0, Foto rechts von Max Wetterauer

Der Barcamp-Spirit

Bei beiden Barcamps, die ich besucht habe, kamen auf diese Weise interessante, spontane Sessions zustande: über Open Data bei der Deutschen Bahn, über das selbstgebaute Roboter-Schaf Esmeralda oder über die Verantwortung von Historiker*innen in der Gesellschaft. Die Diskussionen waren immer auf Augenhöhe, waren immer konstruktiv. Die Stimmung war immer offen, war immer freundlich.

Als digitale Spielwiese steht euch in der Regel noch Twitter zur Verfügung, wo ihr eure Eindrücke zusätzlich mit der Community online teilen könnt. Eine spannende Vermengung von digitaler und analoger Diskussion. Das Format hatte mich sofort überzeugt. Nicht nur wegen der Sessions, sondern auch wegen dieser positiven, irrsinnig sozialen Stimmung auf den Veranstaltungen.

Viele sprechen dabei vom Barcamp-Spirit.

„Das ist gelebter Wissenstransfer“

Meine Kollegin Melanie hatte mich beim Barcamp Rhein-Neckar begleitet und erkannte sofort die Anknüpfungspunkte zu TRANSFER TOGETHER:

Ein Barcamp zeichnet sich durch eine besondere Atmosphäre der Wertschätzung und des wechselseitigen Respekts aus. Während man auf herkömmlichen Konferenzen eine asymmetrische Informations-und Rollenverteilung hat – Experte vs. Laie, bzw. Speaker vs. Zuhörer –, wechseln bei einem Barcamp alle regelmäßig ihre Rolle: mal bin ich Zuhörer und mal gebe ich selbst mein Wissen weiter. Das ist gelebter Wissenstransfer und darum passt das Format auch so toll zu unserem Projekt. Die positive Energie, die auf Barcamps herrscht, flasht mich total. Ich kann nur alle einladen es selbst auszuprobieren und einfach offen und neugierig aufeinander zuzugehen – es offen sich viele neue Türen. Nur durchgehen muss man selbst.

Wo finde ich Barcamps?

Wer neugierig geworden ist, sollte unbedingt www.barcamp-liste.de einen Besuch abstatten. Dort findet ihr alle Barcamps im deutschsprachigen Raum. Oder ihr schaut einfach am 24. November beim Barcamp³ in Heidelberg vorbei und überzeugt euch selbst.

Max Wetterauer

Max ist im April zum Projekt TRANSFER TOGETHER gestoßen und ist für den Bereich Offene Hochschule zuständig. Aktuell beaufsichtigt er die Baustelle „Blog“. Zu Max‘ Projektseite.

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