MEIN JOB IST GANZ NEAT

 

Frauen, Arbeit, Stehen, unsplash.com, Amy Hirschi
NEAT ist die Abkürzung für Non-Exercise Activity Thermogenesis. Damit sind sämtliche körperliche Aktivitäten gemeint, die Menschen in ihrem Alltag ausführen und die den Energieumsatz erhöhen – von Gitarre spielen über Einkaufen gehen bis hin zum Schneeschaufeln. Im Wörterbuch finden sich für das Adjektiv „neat“ Übersetzungen die unter anderem „ klasse, super, schlau, gewandt, flott“ beinhalten. Wäre es nicht neat mehr NEAT in den Arbeitstag zu integrieren?

Wir sind in unserem Alltag zahlreichen Anforderungen ausgesetzt und Zeit ist für Viele ein sehr knappes Gut. Manche setzen auf Sport um ihren Stress nach der Arbeit abzubauen und an ihre körperlichen Grenzen zu kommen – die beachtlichen Meldezahlen bei Marathons und Triathlons sprechen für sich. Doch mehr als die Hälfte der Deutschen schafft es nicht, die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zu erfüllen und gilt damit als körperlich inaktiv. Für Erwachsene sind 2 ½ Stunden moderat-intensive Ausdaueraktivität pro Woche empfohlen, z.B. Fahrrad fahren, Joggen, Schwimmen etc. Die 2 ½ Stunden können in unterschiedlich langen Einheiten von jedoch mindestens 10 Minuten am Stück aufgeteilt werden.

Zusätzlich sollte man noch (mindestens) an zwei Tagen der Woche in Muskelkräftigungsübungen investieren. Körperliche Inaktivität ist zwar bequemer, aber riskant: sie erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Brust- und Darmkrebs und reduziert die Lebenserwartung.

Russisch Roulette mit der eigenen Gesundheit

Lang andauerndes, ununterbrochenes Sitzen im Büroalltag stellt unabhängig davon ob man die Aktivitätsempfehlungen erfüllt, einen Risikofaktor für zahlreiche chronische Erkrankungen und eine geringere Lebenserwartung dar. Wer also lange sitzt und sich nicht ausreichend bewegt, spielt russisch Roulette mit seiner Gesundheit – und zwar mit gleich zwei Kugeln im Lauf.

Doch ist es bei der hohen Aufgabendichte der Arbeitswelt 4.0 überhaupt möglich, die Bewegungsempfehlungen zu erfüllen, ohne dabei auf den Nachtschlaf verzichten zu müssen?

Ich denke: Ja, es ist möglich und das Zauberwort heißt „Alltagsaktivität“, den aufmerksamen Blogleser*innen seit ein paar Absätzen auch als NEAT bekannt. Unsere Zeit, Sport zu treiben ist aufgrund unserer Alltagsanforderungen begrenzt. Hier kann man versuchen, sein Zeitmanagement zu optimieren, Prioritäten zu setzen (der Sporttermin als „heiliger Termin“) und eine Sportart zu finden, die soviel Freude bereitet dass man sich gerne dafür die Zeit freischaufelt. Nichtsdestotrotz lässt sich sportliche Aktivität nur in dem Umfang betreiben, in dem es Arbeitszeit und sonstige Tätigkeiten zulassen. Die Zeit, die wir bei der Arbeit verbringen ist jedoch vergleichsweise üppig.

Warum also nicht Aktivität und Arbeit miteinander verbinden und sich „on the job“ nebenbei was Gutes tun?

Hier findet ihr einen Vorschlag, wie ein bewegter Arbeitstag aussehen könnte, der sowohl Phasen moderat-intensiver als auch leicht-intensiver Aktivität beinhaltet und ohne gesundheitsriskante längere Sitzphasen auskommt. Natürlich sind die einzelnen Zeiten und Abläufe individuell ganz unterschiedlich, aber vielleicht nehmt ihr ja ein paar Anregungen mit, wie ihr ganz entspannt und kostenlos während der Arbeit euer Aktivitätskonto auffüllen könnt. Im Idealfall steckt ihr eure Kolleg*innen mit dieser Idee an und startet eine sprichwörtliche Bewegung. Hier ein Beispiel für einen Arbeitstag, in dem sich locker 2 Stunden Bewegung verstecken und in dem das Sitzen reduziert und regelmäßig unterbrochen wird.

Schritt für Schritt zur NEAT

7.30 – 7.45 Uhr: zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit

Wer mit dem Auto fahren muss, kann einfach ein paar Straßen vom Büro entfernt parken und die letzten 10-15 Minuten laufen. (Inspiring Fact: ein Münchner schwimmt sogar täglich durch die Isar zur Arbeit).

7.50 Uhr: Ankunft Arbeitsplatz

Lieber den Fahrstuhl ignorieren und die Treppen nehmen. Wusstet ihr, dass Treppensteigen zu den anstrengendsten Bewegungsanforderungen im Alltag gehört? Hier kommen Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Bein- und Gesäßmuskulatur richtig in Schwung. Je höher euer Stockwerk liegt, desto besser.

8.00 – 8.30 Uhr: E-Mails am Stehtisch bearbeiten

Bestimmte Arbeitsaufgaben im Stehen durchzuführen, ist eine gute Möglichkeit, regelmäßige Stehphasen in den Arbeitsalltag zu integrieren und eine Routine zu entwickeln, bei der zwischen Sitzen und Stehen gewechselt wird.

9.00 – 9.30 Uhr: Walking Meeting

Diese Art des Meetings bringt Dynamik in den Büroalltag, frischen Sauerstoff in die grauen Zellen und verbindet Arbeit und Bewegung. Einfach mal ausprobieren.

10.00 – 10.05 Uhr: Toilette im anderen Stockwerk benutzen

Kurze Bewegungseinheiten, wie die paar Treppen und Schritte zur Toilette helfen, Kreislauf und Stoffwechsel immer wieder in „Gang“ zu bringen.

10.30 Uhr: Telefonate im Stehen & Gehen

Während Telefonaten Stehen oder im Büro auf- und abgehen. Die verbesserte Atmung im Stehen und Gehen wirkt sich übrigens positiv auf eure Stimme aus. Den eigenen Standpunkt sollte man daher auch sprichwörtlich im Stehen vertreten.

11.30 Uhr: Kniebeugen & Treppensteigen hilft gegen Müdigkeit

Wer bei anspruchsvollen Aufgaben oder hohem Arbeitsaufkommen eine Ermüdung wahrnimmt, dem kann ich Kniebeugen am offenen Fenster (Squats) und Treppensteigen wärmstens empfehlen. Einfach mal kurz loslassen, sich bewegen und die Gedanken fließen lassen. Danach geht’s meistens wieder.

12.00 Uhr: zum Mittagessen gehen

Mit Mitarbeitenden zum Mittagessen gehen – gleich mehrere gute Gründe sich eine Auszeit vom Schreibtisch zu gönnen. Leckeres Essen, gemeinsamer Austausch und eine kurze Bewegungseinheit sind doch eine Kombination, die Körper und Seele gut tut (zumindest wenn man so ein nettes Team hat wie wir).

13.30 Uhr: Schreibtisch Yoga

Hüftöffner, Wirbelsäule mobilisieren, Dehnübungen für Schulter und Nacken. Bildschirmarbeit geht oft mit Verspannungen einher. Warum also nicht beim Lesen von Mails, Texten etc. nebenbei ein wenig Strecken und Dehnen?

14.00 – 14.05 Uhr: erneuter Toilettengang in ein anderes Stockwerk

Nicht dass wir nur zwei Toilettenpausen pro Tag zu festen Zeiten einplanen – wollten nur nochmal daran erinnern.

14.30 – 14.35 Uhr: Kurze Kaffee-/Teepause

Sich kurz Zeit für den Weg zur Teeküche oder zum Wasserspender zu nehmen, sollte schon drin sein. Schließlich ist eine ausreichende Trinkmenge insbesondere im Sommer auch für den Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit wichtig und die Kaffeeküche bietet im Idealfall gute Gelegenheit für informellen Austausch, das Überwinden von Abteilungsgrenzen und die Förderung eines guten Betriebsklimas.

15.00 Uhr: Kurze Bewegungseinheiten zum Drucker

Ausdrucke am zentral platzierten Drucker abholen.

15.30 Uhr: Persönliche Gespräche mit Kolleg*en*innen statt E-Mail Verkehr

Dem Kollegen/der Kollegin keine Mail schreiben, sondern kurz hingehen und persönlich vorbeischauen. Das ist meist genauso schnell, kann helfen Missverständnisse vorzubeugen und ein echter Bonus für das Betriebsklima sein.

16.00 – 16.30 Uhr: Arbeit am Stehtisch

Arbeiten am Stehtisch und dabei abwechselnd auf der Stelle gehen oder seitliche Beinhebeübungen durchführen. Aus eigener Erfahrung in einem Zweierbüro kann ich sagen: Der Kollege/die Kollegin gewöhnt sich ganz schnell daran.

17.00 – 17.15 Uhr: Heimweg in Bewegung

Heimweg mit Fahrrad oder zu Fuß oder das weiter entfernt geparkte Auto suchen.

Nach einem leicht bewegten Arbeitstag fühlt ihr euch hoffentlich gut und energiegeladen. Die beste Voraussetzung um sich abends nochmal ganz praktisch den Bewegungsempfehlungen zu widmen.

Chiara Dold, Team, Transfer Together
Chiara Dold

Chiara bringt Bewegung ins Büro: Sie entwickelt ein webbasiertes Toolkit, das Unternehmen dabei unterstützt, leichte körperliche Aktivität in den Arbeitsalltag zu integrieren. Zu Chiaras Projektseite und dem Projekt Kopfstehen.

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Comments (1)

I came for the memes and stayed for the insights

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