BÜROALLTAG GEBLOGGT

 

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Fakultäten, Dekanate und Studierendenrat – das Arbeitsumfeld von TRANSFER TOGETHER kommt sehr klassisch daher. Wir sind an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zuhause, ein ebenso großer wie historisch routinierter Hochschulbetrieb. Unser junges Projekt zeichnet aber auch aus, dass wir ständig Neues probieren, Startup-Luft schnuppern. Was macht das mit unserem Arbeitsalltag – und dem Projekt?

Bitte nicht falsch verstehen: Bei uns im Büro spielt es sich nicht ab im hippen Berliner Startup mit Tischkicker und Bürohund. Das funktioniert schon deshalb nicht, weil unser Team über mehrere Büros verteilt ist. Aber ich spüre trotzdem einen starken Unterschied zu meinen letzten Arbeitsstationen.

Kreativität schaffen unsere flexiblen Räume: Der Design-Thinking-Raum sieht bei jeder Veranstaltung anders aus. Möglich machen das bewegbare Stehtische, Whiteboards und Trennwände. Aber auch die Arbeitszeiten sind flexibel und nehmen auf persönliche Bedürfnisse Rücksicht: Ich arbeite zurzeit gerne früh morgens, bevor der Trubel beginnt, damit ich mittags Zeit für Meetings habe. Wenn ich einen Tapetenwechsel brauche, packe ich meinen Kram und ziehe ins nahegelegene Café. Ich schätze es manchmal, nicht erreichbar zu sein und vor einer ständig dröhnenden Lärmkulisse aus Kaffeequatsch und Kaffeemaschine meine To-Do-Listen zu verkleinern. Meine Kolleg*innen ziehen dafür oft das Home-Office vor.

Einblicke in den Arbeitsalltag bei TRANSFER TOGETHER, v.l.n.r.: Beim Winterlichen Weihnachts-Wiki-Workshop arbeitete das ganze Team bei Plätzchen und Punsch an unserem internen Wiki; Hannu im Meeting mit der Akademie für wiss. Weiterbildung an der PH Heidelberg; ein großes Meeting im Design-Thinking-Raum; Philipp von qundg beim internen Workshop im Transferzentrum.

Digitale Helferlein

Damit wir trotz dieser geballten Ladung Individualität nicht auseinanderdriften, nutzen wir digitale Helferlein: Anstelle quälend langer E-Mail-Konversationen sprechen wir uns vor allem via Chat ab. Ein Online-Arbeitsboard hilft uns, unsere Aufgaben zu organisieren, zuzuteilen und Zeitpläne zu erstellen. Auch mobil lassen sich die Tools schnell und einfach bedienen. Die Arbeitspläne, -plätze und -zeiten weichen teilweise sehr stark voneinander ab – aber Probleme gibt es deshalb nicht. Im Gegenteil: Die Kommunikation funktioniert meines Erachtens schneller und direkter als in „klassischen“ Unternehmensstrukturen.

Eine kleine Auswahl unserer digitalen Helferlein:

Wir nutzen einen Instant-Messaging-Dienst, um zu kommunizieren. Das ist schneller, direkter und macht uns flexibler, weil mobil nutzbar. Nach Außen nutzen wir weiterhin Mails, aber intern verschicken wir kaum noch welche.

Auf einem internen, passwortgeschützten Wiki sammeln wir Arbeitsvorgänge, Protokolle, Zuständigkeiten, Best Practices, etc. Ein Nachschlagewerk vom Team fürs Team.

Der Blog ist unsere Spielwiese für Ideen, Projektberichte und vor allem eine Plattform, auf der Kommunikation außerhalb der Wissenschaftswelt stattfindet.

Viele twittern inzwischen selbstständig über das Projekt und leisten damit mehr zur Reichweite, als ein Social-Media-Manager es könnte. Ein schöner Nebeneffekt: Twitter wird zur Networking-Plattform.

Die Eigenheiten unserer verschiedenen Kommunikationskanäle hat Melanie in ihrem Blogbeitrag ausführlicher beschrieben, als ich es hier kann.

Ist das schon New Work?

Viele dieser Eigenheiten unseres Arbeitsalltags lehnen sich an dem Konzept von ‚New Work‘ an. Diesen Begriff prägte in den 1970ern der Philosoph Frithjof Bergmann, der den Veränderungsprozess unserer Arbeitswelt damit versah. Er verstand darunter ein neues Selbstverständnis von Arbeit: Freiheit, Selbstständigkeit und Teilhabe an der Gesellschaft seien die neuen Maximen der Arbeit, so Bergmann. Neben der finanziellen Grundsicherung spielt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz eine immer größere Rolle.

Neben Flexibilität und Kreativität zeichnet ‚New Work‘ auch ein anderes Verständnis von Teilhabe aus. Platt gesagt: Hierarchien sind flacher. Zwar folgen wir den Zielvorhaben in unserem Projektantrag, aber strenge Top-Down-Machtwörter kennen wir im Projekt trotzdem nicht. Ein aktuelles Beispiel: Zurzeit diskutieren wir darüber, in welchen Teilprojekten die Ausrichtung eines Barcamps sinnvoll ist. Die Diskussion ist ergebnisoffen, wir wollen sie auch in einem Podcast-Gespräch führen und online stellen – es gibt keine Chefetage, aus der wir irgendwann das Urteil erwarten. Soll heißen: Wenn wir Entscheidungen treffen, fällen wir diese gemeinsam, etwa in unserem Jour Fixe oder in Kleingruppen.

Und jetzt ihr: Habt ihr schon Erfahrungen mit solchen Arbeitsprozessen gemacht? Was sind eure Gedanken dazu? Glaubt ihr, die New-Work-Bewegung hat eine Zukunft?

(Keine) Angst vor Innovation

Julia hat in ihrem Blogartikel jedoch auch einen wichtigen Punkt angesprochen: Nicht alle sind Neuem gegenüber offen. Manche spüren sich durch die ständige Veränderung verunsichert. Umso wichtiger, dass niemals der Draht zu denjenigen gekappt werden darf, die keine Lust auf den Chat haben oder ihre Gedanken nicht sofort in einem Blogartikel teilen wollen. Neues darf kein Zwang sein.

Die Möglichkeit, nach Feierabend eben noch nach dem letzten Tweet oder nach den Anmeldungen für das nächste Event zu schauen, ist verlockend. Es gehört eine Menge Selbstdisziplin dazu, die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit nicht verschwimmen zu lassen.

Was macht das mit dem Projekt?

Flexible Arbeitszeiten, der Einsatz digitaler Tools und flache Hierarchien machen das Projekt nicht zwangsläufig innovativ. Mein Eindruck ist aber, dass all diese Werkzeuge und Methoden, diese Freiheiten und Mindsets (noch so ein innovativer Begriff) und die Möglichkeit, ständig Neues zu testen, dazu führen, dass man sich weniger durch starre Strukturen eingeschränkt fühlt. Das ist ein toller Motor für Kreativität, für das Projekt und schließlich auch für Transfer.

Max Wetterauer, Team, Transfer Together
Max Wetterauer

Open Science und Social Media sind die großen Baustellen, an denen Max im Bereich Offene Hochschule tüftelt. Wenn ihm die 280 Zeichen auf Twitter mal nicht ausreichen, stillt er seinen Schreibdurst mit Artikeln hier auf dem Blog. Zu Max’ Projektseite.

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