IM ZEICHEN DES STURMS

 

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Transferarbeit ganz praktisch: Als gerade ein Sturmtief über die Metropolregion Rhein-Neckar hinwegzog, war Svenja auf einem Workshop mit dem Logistik-Unternehmen Contargo. Wie das Unternehmen durch den Klimawandel konkret betroffen ist und wo sich Chancen durch frühzeitige und nachhaltige Anpassungsstrategien ergeben können, erarbeiteten Auszubildende der verschiedenen Contargo-Standorte und Ausbildungsberufe gemeinsam in gemischten Teams.

Zunächst haben wir uns im Terminal Mannheim ganz oben vom Containerverladekran aus einen Überblick darüber verschafft, wie der Containertransport durch Wetter und Klima, v.a. Sturm, Hochwasser oder Niedrigwasser betroffen ist und welche Arbeitsplätze drinnen oder draußen besonders mit der sommerlichen Hitze kämpfen. Hierzu gaben auch verschiedene Experten der Contargo Standorte Ludwigshafen und Mannheim Einblick in ihre Verantwortungsbereiche.

Was sind eigentlich die Ursachen von Hoch- oder Niedrigwasser und wirkt sich der Pegelstand auf den Containertransport aus? Das haben wir uns im Gelände genauer angeschaut.

Der Workshop fand zwischen dem 11. und 13. März 2019 statt. Er wurde geleitet von Svenja Brockmüller, Daniel Volz, Stefanie Drautz und Mathis Wilk vom TT-Team der PH Heidelberg, Abteilung Geographie, Research Group for Earth Observation (rgeo) zusammen mit Kristin Kahl und Sandra Hollweg, Sustainable Solutions, CONTARGO.

Kann man Container auch so stapeln, dass sie einem bei Sturm nicht im Terminal um die Ohren fliegen? Wir probieren es erst einmal mit Schaumstoffcontainern, Windmaschine und verschiedenen Stapeltechniken aus. Warum ist es im Sommer eigentlich so heiß in meinem Büro? Und wie geht es erst dem Kranführer in seinem sonnenexponierten Glasgehäuse? Welche Möglichkeiten gibt es jenseits von Klimaanlagen für eine „umweltfreundliche“ Kühlung? Bei Experimenten am „Thermohaus“ kommen zahlreiche Ideen für nachhaltige Arbeits- und Pausenplätze auf.

Im Terminal geht es bunt zu – aber Moment mal: Welche Auswirkung hat die Containerfarbe eigentlich auf die Innentemperatur? Warum bildet sich bei starken Temperaturschwankungen Kondenswasser? Und welche Möglichkeiten der Isolierung und Kühlung sind umweltfreundlich und effektiv? An Modellcontainern aus umfunktionierten Blumentöpfen gehen wir diesen Fragen nach.

Am Workshop haben Azubis fast aller Contargo Standorte Deutschlands teilgenommen – wie verändern sich Temperaturen und Niederschlagsverteilungen am einzelnen Standort in den nächsten 10 Jahren, bis 2050 und bis zum Ende des Jahrhunderts? Die Auswertung verschiedener Klimaszenarien hilft bei der Einschätzung der zu erwartenden Folgen. Hierzu erstellen wir standortbezogene „Klimasteckbriefe“.

Contargo-Geschäftsführer Heinrich Kerstgens besucht den Workshop und stellt Vorhaben der Strategiegruppe Klimaschutz vor und bekommt von den Auszubildenden deren Ergebnisse der Szenarioanalysen berichtet. Die Gruppen haben „Zeitungsberichte aus der Zukunft“ verfasst: Am 16.3.2050 verkündet das „Rheinische Tagesblatt“ die klimafolgenbedingte Insolvenz von Contargo. Verantwortlich hierfür sind schwere Managementfehler. Die Geschäftsführung der Contargo hat zu spät auf den Klimawandel reagiert, zu wenig für den Klimaschutz getan und Möglichkeiten zur frühzeitigen Anpassung verschenkt. Die hohen Transportausfälle, gestiegenen Kosten und Vertrauensverlust des Kundenstamms haben ihr Übriges zum Konkurs beigetragen. Kerstgens nimmt die Ausführungen seiner Azubis wertschätzend zur Kenntnis und sieht es in seiner Verantwortung, derartige Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Wie sieht der Arbeitsplatz der Azubis in 10 Jahren unter den Vorzeichen des Klimawandels aus? Was kann getan werden, um eine nachhaltige Anpassung zu erreichen? Hier ist die Kreativität jedes Einzelnen gefragt! Zahlreiche Experten der Contargo unterstützten die Überlegungen der Azubis als Interviewpartner vor Ort oder telefonisch mit ihrer Erfahrung. Mittels Design Thinking wurden Büroräume mit natürlicher Kühlung kreiert, Konzepte für eine umfassendes Klima-Wissens-Management für die Gesamt-Contargo entworfen, der Papierverbrauch im Unternehmen durch eine Digitalisierung der alten Buchungssysteme drastisch reduziert oder in die Forschung „thermoresistenterer“ Materialien investiert, um Maschinen-, Straßen- und Gleisschäden zu reduzieren. Den „Preis der Herzen“ gewann das Projekt „Contargo Park“ eines Azubi-Teams aus Koblenz und Frankfurt, die Pausenplätze für die hitzegestressten LKW-Fahrer in kleinen baumbeschatteten Grünanlagen direkt am Terminal mit Trinkwasserspendern aufbauen wollen. Neben dem Erholungseffekt wirken sich die Grünflächen kühlend auf das Mikroklima und als Lebensraum z.B. für Insekten positiv aus und können zum Imagegewinn der Contargo beitragen.

Die Projekte wurden den Geschäftsführern und Ausbildern der Contargo Rhein-Neckar abschließend präsentiert und ernteten großes Lob. Für die konkrete Umsetzung wurden bereits erste Schritte vereinbart.

Auch das „Rahmenprogramm“ des Workshops war nachhaltig, gemeinsam konnten wir feststellen, wie lecker vegetarische Currys und vegane Burger sind, und wer auf das tierische Eiweiß nicht verzichten wollte, hatte die spannende Gelegenheit, Insektenburger zu verkosten. Sportliche Bewegung und Teambuilding standen ebenfalls auf der Agenda, verbunden mit jede Menge Spass und Action beim gemeinsamen Besuch der Trampolinhalle.

Im Intranet der Contargo wird im Nachgang über den Workshop ausführlich berichtet, um die erzielten Erkenntnisse allen Mitarbeitenden zugänglich zu machen, außerdem erhalten die Auszubildenden ein Weiterbildungs-Zertifikat und werden aktiv bei der Projektumsetzung unterstützt.

Vielen Dank an das Team von Contargo für die tolle Zusammenarbeit!

Persönliche Statements zum Workshop

Kristin Kahl, Contargo GmbH & Co. KG (Sustainable Solutions Management):

„Klimaschutz und die Transportbranche – das passt für viele nicht zusammen. Wir als Contargo legen darauf sehr großen Wert, denn wir wollen bis zum Jahr 2050 decarbonisiert – also ohne CO2 – bei allen unseren Aufgaben tätig sein.

  • Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess.
  • Das erfordert Handeln. Wer kann Handeln? Insbesondere junge Menschen – und zwar freier von Beschränkungen.
  • Mit dem TRANSFER TOGETHER-Projekt hatten wir die Möglichkeit, genau an dieser Stelle anzusetzen und aufmerksam auf das so wichtige Thema zu machen – wichtig für unsere Kollegen, für unser Unternehmen, für unsere Zukunft.

Nicht nur, dass der Workshop richtig Spaß gemacht hatte. Es war toll zu sehen, wie sich unsere Azubis untereinander vernetzten und in die praxisnahen Aufgaben clever und originell lösten. Super war auch der rote Faden, der sich von Anfang an durchgezogen hat. So haben wir alle Bereiche des Klimawandels passgenau auf Contargo betrachtet und dadurch einen richtigen Mehrwert erzeugt. Dieses in Projekten jetzt weiter zu gestalten liegt in unserer Hand.“

Irina – Contargo Network Service GmbH & Co. KG, Kehl (Auszubildende):

„Ich habe von dem KlimAzubi Workshop viel gelernt und mitgenommen. Und würde auch so viel Gelerntes wie möglich an meinem Standort umsetzen, so gut ich eben kann. Ich finde der Workshop war eine super Idee, um mal die anderen Azubis kennenzulernen. Nach diesem Workshop bin ich überzeugt davon, dass wir jungen Menschen auch was beitragen können, um den Klimawandel zu stoppen und unsere Zukunft dadurch besser gestalten können. Und wenn wir jetzt eingreifen und was machen, können wir später mit gutem Gewissen in die Zukunft starten.“

Jannis – Contargo Rhein-Main GmbH, Koblenz (Auszubildender):

„Die Veranstaltung war im Gesamten ziemlich gut. Das Programm war ziemlich interessant, gut geplant und abwechslungsreich an Theorie und Praxis. Mir persönlich gefiel es, dass man ein tieferes Verständnis des Klimawandels vermittelt bekam und uns auch, bezogen auf unser Unternehmen, die Konsequenzen nähergebracht wurden. Abschließend kann ich sagen, dass ich nun mit einem offeneren Blick durch die Welt gehe und immer zweimal über mein die Umwelt beeinflussendes Handeln nachdenke. Ein weiterer stark positiver Nebeneffekt der Veranstaltung war es, dass man Auszubildende anderer Standorte kennenlernte und sich mit diesen austauschen konnte.“

Hein Kerstgens – Contargo GmbH & Co. KG (Geschäftsführer):

„Contargo legt seit Gründung Wert darauf, Transporte so umweltschonend wie möglich zu gestalten. Deshalb ist der Kombinierte Verkehr das wichtigste Werkzeug. Gleichzeitig versuchen wir die einzelnen Komponenten des Kombinierten Verkehrs so zu optimieren, dass das Beste für unsere Kunden und für unsere Umwelt dabei herauskommt. Neben Dingen wie Lärmschutz ist uns die Dekarbonisierung unserer Industrie sehr wichtig. Deshalb forschen wir im Bereich der schweren E-Lkw und E-Binnenschiffe. Der KlimAzubi-Workshop hat mir gezeigt, dass wir da auf dem richtigen Weg sind. Denn die Begeisterung der jungen Menschen daran mitzuarbeiten, ihre Zukunft zu gestalten, ist enorm.“

Svenja Brockmüller, Team, Transfer Together
Svenja Brockmüller

Svenja macht die Region klimafit: In interaktiven Workshops zeigt sie Unternehmen, wie sie durch den Klimawandel beeinflusst werden – und wie sie sich nachhaltig anpassen können. Zu Svenjas Projektseite.

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Comments (1)

[…] tun. Für die Diskriminierung von Sinti und Roma im Bildungsalltag wird nicht sensibilisiert, der kurzsichtige Umgang mit dem Klimawandel in Unternehmen nicht überdacht, wenn wir eine Fachdiskussion im geschlossenen Hörsaal führen. Wissenschaft muss […]

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