GOETHE OHNE GRENZEN

 

Goethe, pixabay.com, scholacantorum
Zum Divan

Wer sich selbst und Andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen lass‘ ich gelten;
Also zwischen Ost und Westen
Sich bewegen, sei’s zum Besten!

(Johann Wolfgang von Goethe, 1819)

Goethes Divan feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Jubiläum. Das ansonsten doch eher unbekannte Werk Goethes, ist es jedoch wert in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen herangezogen zu werden. Zunächst fällt das ungemeine Potential des Divans zur interkulturellen Kommunikation und zur interreligiösen Verständigung auf, immer mit dem klaren Fokus auf die Schönheiten der fremden Kultur. Goethe nimmt nicht die Differenzen und Schwierigkeiten in den Blick, sondern die Faszination des Unbekannten und die Chancen des Miteinanders. Und so kommt es dann, dass die Grenzen immer weiter verschwimmen; so lange, bis sie beinahe inexistent werden.

Wie Musik und Bildende Kunst verschmelzen

Während der letzten Phase unseres Kulturprojekts „Lieder aus der Fremde“ haben wir uns mit einer anderen Grenzüberschreitung auseinandergesetzt. Musik und andere Künste haben im vergangenen Jahrhundert immer stärker Bezug aufeinander genommen und die Kunstwelt heute kann kaum mehr zwischen den einzelnen Sparten unterscheiden: Musik, Darstellende und Bildende Kunst und Literatur verschmelzen in Performances und Happenings immer stärker miteinander. Ein gemeinsamer Ausdrucks- und Gestaltungswille lässt Grenzen unproduktiv werden. Die vergangene Projektphase hat vor allem an der Fusion von Musik und Bildender Kunst gearbeitet.

Jugendliche aus Heidelberg haben sich über sechs Wochen musikalisch mit einem Werk aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim auseinandergesetzt. Dabei sind Kompositionen und Sound-Installationen entstanden, die am Donnerstag, 6. Juni, im Foyer und den Ausstellungsräumen der Kunsthalle präsentiert wurden. Die Kooperation zwischen unserem Musikprojekt und der Kunsthalle hat für beide Seiten neue Erfahrungen generiert und Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufgezeigt. Ein Besuch im Kunstmuseum kann durch Musik zu einer multisensoriellen Erfahrung werden, die Dimensionen der Wahrnehmung können erweitert werden und der Blick auf das sich in der Zeit nicht verändernde Kunstwerk, kann durch das Hinzutreten der sich in der Zeit entwickelnden Musik plötzlich seine Statik verlieren.

Das Thema „Grenzen“ wurde also zunächst interdisziplinär betrachtet und dann in einer weiterführenden Reflexion auf andere Bereiche übertragen. Ohne interkulturelle Probleme bewusst ins Zentrum zu rücken, kann auf diese Weise trotzdem ein Nachdenken darüber in Gang gesetzt werden, das vielleicht sogar über die aktuelle politische Brisanz hinausreicht und in zeitloseren Strukturen verhaftet bleibt.

Wollt ihr mehr über musikalische Brückenbaukünste erfahren? Dann sind Kathrins ältere Artikel sicher auch interessant für euch.

Kathrin Schweizer, Team, Transfer Together
Kathrin Schweizer

Mit Musik Toleranz lernen: Kathrin zeigt Kindern und Jugendlichen Musik aus anderen Kulturen und macht deren Vielfalt durch außerordentliche Konzertorte erlebbar. Zu Kathrins Projektseite.

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