INNOVATION ENTSTEHT, WO REGELN GEBROCHEN WERDEN

 

unsplash.com, Evan Kirby
„48 Innovative Hochschulen stellen sich vor“, twitterte am 21. März das Bundesministerium für Bildung und Forschung – und meinte damit die Auftaktveranstaltung zur Förderinitiative „Innovative Hochschule“. Mit dabei waren wir, das Projektteam von TRANSFER TOGETHER.

Als eine von 48 geförderten Hochschulen (19 Einzel- und 10 Verbundvorhaben) erhielt die Pädagogische Hochschule Heidelberg den Zuschlag für die Förderinitiative „Innovative Hochschule“ – als eine von nur zwei bundesweit geförderten Pädagogischen Hochschulen. Gemeinsam mit der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH hat die Hochschule die bewusste Entscheidung getroffen, die sogenannte „Dritte Mission“ einer Hochschule (neben Forschung und Lehre) voranzutreiben: nämlich den eigenen Ideen-, Wissens- und Technologietransfer.

Seit Januar 2018 stehen wir mit dem Projekt „TRANSFER TOGETHER – Bildungsinnovationen in der Metropolregion Rhein-Neckar“ in den Startlöchern. Ein neu zusammengestelltes Team setzt sich in unterschiedlichen Teilprojekten dafür ein, die Transferstrategie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg systematisch umzusetzen. Unser Ziel: Wir möchten das Thema „bidirektionaler Transfer“ im Hochschulalltag fest verankern. Wir erhoffen uns davon, dass die Hochschule den Elfenbeinturm hinter sich lässt, sich nach außen öffnet und eine Wechselwirkung entsteht: Indem die Hochschule ihre Innovationen in die Gesellschaft hineinträgt, erhält sie Impulse, die sie wiederum in die eigene wissenschaftliche Arbeit einfließen lässt.

Bericht aus Berlin
Christian Spannagel, Melanie Seidenglanz und Julika Witte (v.l.n.r.) bei der Auftaktveranstaltung in Berlin

Die eingangs erwähnte Auftaktveranstaltung der gesamten Förderinitiative fand bereits am 20. und 21. März 2018 in Berlin statt. Hier kamen alle beteiligten Hochschulen und deren Partner im Berliner Harnack-Haus zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, ein gemeinsames Bewusstsein der geförderten Hochschulen zu bilden und einen ersten Erfahrungsaustausch anzuregen. Eine Poster-Ausstellung gab uns einen Einblick in alle geförderten Projekte, es folgten Fachvorträge und Diskussionen. Viel diskutiert waren unter anderem die Begriffe der „dritten Mission“ (Justus Henke, Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), „soziale Innovation“ (Prof. Dr. Jürgen Howaldt, TU Dortmund) sowie die Messbarkeit erfolgreichen Transfers (Andrea Frank, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft). Eines schien alle Projektleiter/innen gleichermaßen umzutreiben: Wie lässt sich der Erfolg unserer Projekte messen? Wann ist Transfer-Arbeit erfolgreich?

„Innovation entsteht dort, wo Regeln auch mal gebrochen werden.“

Einig war man sich auf jeden Fall in einem Punkt: Die Förderinitiative „Innovative Hochschule“ ermöglicht den Hochschulen, ihre strategische Rolle im regionalen Innovationssystem zu stärken. Sie werden zu zentralen Schnittstellen eines effektiven wechselseitigen Austauschs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und ebnen den Weg für die Anwendung innovativer Ideen. In diesem Zusammenhang blieb besonders ein Satz aus Philipp Schrögels (Karlsruher Institut für Technologie, Wissenschaftskommunikation) Dinner-Speech in Erinnerung: „Innovation entsteht dort, wo Regeln auch mal gebrochen werden.“

Welche Regeln zu brechen sind, bzw. wo innerhalb der Institution „Hochschule“ neue Wege beschritten werden müssen, um sie für Innovationen und wechselseitigen Transfer zu öffnen, wollen wir im Rahmen des Projekts TRANSFER TOGETHER herausfinden und ausprobieren.

Welche Regeln könnten – wenn es nach euch ginge – gerne mal gebrochen werden, um effektiveres und innovativeres Arbeiten zu ermöglichen?
Julika Witte
Julika Witte

Julika koordiniert seit Jahresbeginn das Gesamtprojekt und ist Ansprechpartnerin für alles, von A wie Alumni-Arbeit bis Z wie Zebra. Zu Julikas Projektseite.

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Kommentare (2)

Ich erinnere mich an 3 BWL-Studenten einer privaten Hochschule, die vor Jahren durch ihren kollabortativen Studienansatz Schlagzeilen machten. Um Gebühren zu sparen, haben sie versucht, praktisch als gemeinsame Arbeitsgruppe sich den gesamten Stoff füreinander anzueignen, miteinander das Wissen zu teilen, die Prüfungsvoprbereitungen gemeinsam zu machen etc. Tatsächlich konnten sie sich so nach nur 3 Semestern Studienzeit zur Abschlussprüfung anmelden (sie waren also schon recht intensiv dabei). Danach kam es dann zum Rechtsstreit, weil die private Hoschule natürlich jedem der drei volle 6 oder 7 Semster verkauft haben wollte.
Aus dieser Geschichte springt natürlich als Idee einer der größten denkbaren Regelbrüche heraus: Was wäre wenn sich StudentInnen nicht nur einzeln für einen Studienplatz bewerben könnten, sondern auch als Gruppe von bis zu 5 Studenten, die sich gegenseitig vertraglich verpflichten, eine Art „Shared-learning“-Prozess zu verfolgen. Standardklausuren müssten natürlich von jedem absolviert werden, die Unis würden aber das Lerngruppen-Studium unterstützen, z.B. durch gemeinsame Sprechstunden, mündliche Prüfungen der Gruppen im Ganzen, 1 Endnote für alle (d.h. alle erworbenen Punkten der einzelnen Gruppenmitglieder werden addiert und dann durch die Anzahl der Gruppenmitglieder geteilt).
Die Vorteile wären zahlreich, z.B. a) mehr Eigenmotivation, b) gegenseitiges Erklären, c) keine Isolationsgefühle, d) sämtliche Studienschwierigkeiten können zunächst in der Gruppe bearbeitet/gelöst werden, e) „dumme Fragen“ werden nur noch einmal gestellt, nicht- vier oder fünfmal, f) Ressourcen werden unkompliziert geteilt, g) die Mitverantwortung für das Gruppenergebnis macht Studien-Prokrastination schwer, h) bestimmte Stärken einzelner, die für das Studium nicht zentral sind, z.B. „gut schreiben können“, werden gemeinsam genutzt, i) Vorlesungsprotokolle lassen sich sehr gut gemeinsam erarbeiten, durchsprechen, in Lerngrundlagen umwandeln, k) Erklärvideos auf Youtube gemeinsam gucken macht mehr Spaß als allein, l) deutlich weniger Studienabbrüche …
Ja, klar, das Noten- und Prüfungsproblem, wie stellt man Fairness her? Antwort. Eigentlich das ein bisschen egal, zumindest in vielen Fächern. Denn ArbeitgeberInnen schauen immer weniger einfach nur auf die Noten (oder sogar gar nicht auf Noten und Zertifikate), sondern auf den Kompetenzeindruck der ganze Person. Anderes Problem wäre eventuell die geringere „Studienmobilität“, also wie sieht es mit Auslandssemestern aus? Und überhaupt mit dem Erwerb von „Selbständigkeit“? Vermutlich wäre es tatsächlich nicht schlecht, wenn die Gruppe auch ein Auslandssemester einlegen würde, aber eben nicht gemeinsam, sondern jedes Mitglied woanders. So entsteht wieder Mehrwert durch das Teilen der Erfahrungen über die üblichen oder noch zu schaffenden Tools.

Was mir bei der gestellten Frage und dem Begriff „Innovation“ in diesem Kontext einfällt direkt einfällt ist dass staatliche Hochschulen in Deutschland mit sehr viel Bürokratie zu kämpfen haben, je nach Alter der Hochschule (man denke nur an 14 Jhd. in Heidelberg/Köln/Erfurt) in sehr festgefahrenen Strukturen stecken, zwar aktuelle Forschung betrieben, aber keine Kenntnisse aus modernem Innovationsmanagement genutzt werden et cetera.

Die Wissenschaft ist eigentlich frei, aber wieso sind diese Einrichtungen nicht freiheitlicher geregelt, organisiert oder (de)reguliert? Mit einer solchen Befreiung der Hochschule würden Fliehkräfte ungeahnten Maßes freigesetzt, so dass Innovationen nur so sprudeln würden

Was denkt ihr?