(KEINE) ANGST VOR INNOVATION

 

Wir leben im Innovationszeitalter: Alles muss besser, weiter, innovativer werden. Aber was, wenn das Neue kein aufregendes Bauchkribbeln erzeugt, sondern Unsicherheit auslöst? Julia mahnt, wir müssen die Ängste beachten und uns für die Zukunft mit mentaler Stärke wappnen.

In der heutigen Zeit spricht jeder von Innovationen. Gefühlt wird überall darüber diskutiert und jeder braucht und will sie…ist das so? Meiner Meinung nach wird automatisch davon ausgegangen, dass Innovationen mit positiven Gefühlen verknüpft sind. Doch für viele Menschen stellen sie vielmehr eine Bedrohung als eine Herausforderung dar. In der Sportpsychologie wissen wir schon länger, dass ein Wettkampf von einem Sportler*innen nicht automatisch als positive Herausforderung gesehen wird. Sportler*innen müssen gezielt mental auf Anforderungssituationen vorbereitet werden.

Safe space, adé!

Immer, wenn Menschen ihre Komfortzone (die Schutz, Sicherheit und Kontrolle bietet) verlassen, begeben sie sich in eine Anforderungssituation. Diese kann positiv (Herausforderung) oder negativ (Bedrohung) erlebt werden.

Dieser Aspekt wird meiner Meinung nach in der Diskussion über Innovationen kaum beachtet. Aber wir müssen uns auch mit diesen Ängsten auseinandersetzen. Menschen müssen in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden – in ihrer Überzeugung, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Nur so können Innovationen zum Erfolg und als Herausforderung wahrgenommen werden.

Mentales Training ist eine Möglichkeit, Innovationen als Herausforderung zu erleben, die man bewältigen möchte. Mentale Stärke ist in der heutigen Zeit eine zentrale Zukunftskompetenz. Gut zu sein wenn’s drauf ankommt und sein volles Potential ausschöpfen zu können. Beispielsweise sich seiner eigenen Stärken bewusst zu sein und diese aktivieren zu können.

Julia Janiesch

Gesund durch mentale Stärke: Julia verbreitet das Konzept des Heidelberger Kompetenztrainings (HKT) in der Region. Durch den regen Austausch entwickelt sie ihre Methoden stetig weiter. Zu Julias Projektseite.

Kommentare (2)

„Mentale Stärke“ hebt das Thema auf die individuelle Ebene, und da auf die „Opfer“, die quasi Objekt der Veränderung sind. Das kann es nicht allein sein.
In diesem Sommer erzählt mir ein Student (hat gerade Bachelor in Biophysik mit Schwerpunkt Informatik gemacht), was er in der neu aufgestellten Digitalisierungs-Gruppe eines Chemiestandorts erlebt. Die Gruppe ist installiert worden, um exemplarisch alles in dem Werk zu digitalisieren, was geht. Das erfordert Punkt für Punkt jeweils eine Art interne Beauftragung durch die Fachabteilungen. Der Student findet spannend zu beobachten, wie schwierig es ist, diesen Leuten die jeweiligen Vorteile klar zu machen. Stets ist eine Wand von Skepsis und Abteilungspolitik zu überwinden.
Bei Einzelnen ist das eventuell eine Mentalitätsfrage, andere fühlen ihre Position durch Neuerungen bedroht. Wie auch immer, solche Implementierungen erfordern augenscheinlich eine gewisse Begeisterungsfähigkeit für Neuheiten, aber auch ein Verständnis bei den Neuerern, wie sie vorgehen sollten, damit sie keine mentalen Sperren triggern. Gibt es dafür Standardkonzepte? Ich vermute nicht. Ich denke, „Mentalitätsberatung“ hat da auf alle Fälle seine Berechtigung, genauso wie ein hohes Bewusstsein für gutes Kommunizieren erforderlich (nennt man das nicht auch „Change-Management“?). Aus zwei Gründen erscheint mir das wichtig: Zum einen gibt es immer Menschen, die vor „neurologischen Herausforderungen“ zurückscheuen – damit sollte man respektvoll umgehen. Zum zweiten verfügen nicht alle MitarbeiterInnen über die Plastizität der Jugend – die Alterstrukturen in den Betrieben und Institutionen spiegeln die Überalterung der Gesellschaft und haben an der Stelle einen Drall zum „Haben-wir-immer-so-gemacht“.

Mentale Stärke, Gelassenheit oder Coolness braucht man schon, wenn die Innovationen nur so über einen hereinbrechen und man sich ihrer nicht erwehren kann, zB weil der Arbeitgeber sie verordnet hat. „Super System, immens viele Features, das ist die Zukunft, so macht man das heute!“ Bloß: das hatten die Vorgängersysteme auch für sich in Anspruch genommen. Wer will das wirklich glauben, dass nun mal Schluss sei mit den Neuerungen. Und: kann und soll damit jemals Schluss sein?!
Bleibt entspannt: ich habe zB niemals einen HD-Recorder programmiert oder gar besessen. Diese Innovation habe ich ohne Anstrengung überlebt. Also: entspannt und offen bleiben. Nicht jedes Lüftchen ist gleich der „wind of change“.

Was denkt ihr?