MUSIKALISCHE BRÜCKENBAUKÜNSTE

 

Kathrins Teilprojekt feiert ihre erste öffentliche Veranstaltung vor einer ganz besonderen Kulisse. Wie die Gartenmoschee im Schwetzinger Schlossgarten soll auch das Konzert von Grundschulkindern Brücken bauen und Kulturen verbinden.

Für die kommenden Tage steht ein Gebäude im Fokus unserer Arbeit. Ein Gebäude, das von Kreuzgängen eingerahmt wird, die an ein katholisches Kloster denken lassen, und das zugleich zwei Minarette und einen großen Kuppelbau hat, wie eine Moschee. Das Dekor erinnert an Barocke Opulenz und der Innenraum ist mit arabischen Sinnsprüchen ausgeschmückt. Genau diese außergewöhnliche Mischung haben wir für die Auftakt-Performance unseres Projekts ‚Lieder aus der Fremde‘ gesucht.

Die Faszination des Fremden

Die Gartenmoschee im Schlossgarten Schwetzingen ist im Sinne des aufklärerischen Gedankens entstanden, der die Gestaltung des gesamten Anwesens beeinflusst hat. Kurfürst Carl Theodor wollte Toleranz für alle Kulturen und Religionen der Welt erleb- und sichtbar machen und beauftragte seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage damit, Bauwerke und Gartenanlagen zu entwerfen, die diesem Anspruch gerecht werden.

Zur Zeit Carl Theodors herrschte eine große Faszination für fremde Kulturen. Man wollte sich die Magie und die Farben des Orients nach Hause holen, um der Trübe des langen Winters zu entfliehen und das Eigene zu bereichern. Diese sogenannte ‚Türkenmode‘ findet sich auch in zahlreichen Kompositionen dieser Zeit wieder. Das wohl bekannteste Beispiel ist der dritte Satz aus Mozarts Klaviersonate Nr. 11 KV331, besser bekannt unter dem Beinamen ‚Alla turca‘.

Heute könnte man meinen, dass die Faszination für das Fremde in Skepsis und Argwohn gegenüber dem Fremden umgeschlagen ist. Sicherlich nicht im Allgemeinen, aber doch in vielen Teilen der Gesellschaft.

Mit Kunst Brücken bauen

Genau hier möchten wir mit unserem Projekt ‚Lieder aus der Fremde‘ ansetzen. Wir möchten auf die Schönheiten und Besonderheiten der Kulturen unserer Erde hinweisen und diese in einer künstlerisch-kreativen Auseinandersetzung lebendig werden lassen. Sicherlich besteht in der Gesellschaft Disskusionsbedarf über die Folgen von Migration, diese Problematik soll hier aber nicht im Vordergrund stehen. Wir möchten Räume schaffen, in denen das Fremde erkundet werden kann und als Quelle für eigenes kreatives Handeln die Möglichkeiten erweitert.

An dieser Stelle kommt die Schwetzinger Gartenmoschee ins Spiel. Wie kaum ein anderes Gebäude steht sie für die Verbindung künstlerischen Ausdrucks verschiedener Kulturen. In ihrer Architektur spiegelt sich die Produktivität wieder, die aus dem Zusammenwirken des Verschiedenen entstehen kann.

Hier führen wir am 12. Oktober um 11 Uhr eine Performance mit Grundschulkindern auf, die aus der Kombination abendländischer und orientalischer Musik besteht.

Die Architektur des Gebäudes wird in den Aufbau der Performance eingewoben und es ergibt sich ein Zusammenspiel aus Musik, Bewegung und Bauwerk. Musikalisch möchten wir nicht wie Mozart eine Kopie des orientalischen Stils präsentieren, sondern haben Musiker hinzugezogen, die in der orientalischen Musiktradition sozialisiert sind. Wir sind gespannt, wie das vielschichtige Zusammenspiel funktionieren wird und welche Rückmeldungen wir erhalten werden. Denn auch für unser Projekt ist dieser Ansatz noch fremd und faszinierend.

Kathrin Schweizer

Mit Musik Toleranz lernen: Kathrin zeigt Kindern und Jugendlichen Musik aus anderen Kulturen und macht deren Vielfalt durch außerordentliche Konzertorte erlebbar. Zu Kathrins Projektseite.

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