SPRECHT ÜBER WISSENSCHAFT!

 

NaWik-Symposium am 5. April 2019 ,Karlsruhe, 05.04.19, Foto:Tim Wegner www.timwegner.de
Wissenschaft wird zugänglicher, Angebote ansprechender und Kommunikation an Hochschulen wichtiger – zumindest, wenn es nach den Teilnehmer*innen des NaWik-Symposiums geht. Auch Laura reiste am 5. April nach Karlsruhe, um mit anderen über Wissenschaftskommunikation zu sprechen. Sie kam zurück mit neuen Eindrücken, neuen Kontakten und einem überzeugten Plädoyer für mehr Wissenschaftskommunikation.

Erstmalig richtete das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) ein Symposium aus, um vor allem Wissenschaftler*innen aber auch Kommunikator*en*innen zusammenzubringen. Vertreter*innen der NaWik-Gesellschafter, der Klaus Tschira Stiftung und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), waren ebenfalls vor Ort und haben die Relevanz zur verstärkten Wissenschaftskommunikation betont. Ziel des Symposiums „UND JETZT DU!“ war es, sich auszutauschen und gemeinsame Strategien zur breiteren Wissenschaftskommunikation zu entwickeln. Rund 100 Teilnehmer*innen fanden sich dazu in Karlsruhe am KIT ein.

Warum Wissenschaftskommunikation?

Zunehmend wird von Seiten der Gesellschaft und Politik der Ruf deutlich, dass mehr Transparenz zu Forschungsthemen und -ergebnissen geschaffen werden soll. Das steigende Interesse ist zwar heute noch ungewöhnlich für Forschende, jedoch sind die Ursachen eindeutig: Viele Forschungsprojekte werden aus Steuergeldern finanziert, weshalb eine moralische Verpflichtung zur Wissenschaftskommunikation besteht. Bei uns Wissenschaftler*innen liegt also die Verantwortung zu zeigen, wohin diese öffentlichen Gelder fließen. Dies äußert sich zunehmend auch in Förderungsrichtlinien, die die Kommunikation und Transparenz beispielsweise über die Erstellung von Projektwebsites fordern. Kommunikationsstrategien sind dabei auch ein entscheidender Faktor, ob die Förderung erfolgt oder nicht.

Ein weiteres Argument ist die Sichtbarkeit der Forschungseinrichtungen: Zur sogenannten „Exzellenzstrategie“ gehört auch, Informationen der Gesellschaft zugänglich zu machen. Die Publicity ist gleichzeitig auch ein Anreiz für Forschende und zugehörige Einrichtungen zur Öffnung, da nicht nur die öffentliche Zustimmung, sondern auch die Attraktivität für Nachwuchswissenschaftler*innen steigt. Wer kommuniziert und einbezieht wirkt sympathischer und vertrauenserweckender.

Auch für die einzelnen Forscher*innen lohnt sich eine verstärkte Wissenschaftskommunikation. Es macht nicht nur Spaß, die ersten Versuche mit Blogbeiträgen, Tweets und YouTube-Videos zu machen. Auch eine vermehrte Rückmeldung anderer Forscher*innen, der Austausch mit bisher unbekannten Expert*en*innen kann dem eigenen Forschungsvorhaben dienlich sein. Hier ergeben sich neue Schauplätze des Austauschs, auf denen auch Irrwege, Fehler und persönliche Eindrücke ein Zuhause finden, die allzu oft aus der klassischen Publikationspraxis herausgekürzt werden. Beziehen Forschende dann noch die breite Bevölkerung mit ein, wird die Möglichkeit geschaffen, die oft kritisierte Lücke zwischen Theorie und Praxis zu überwinden: Ist meine Forschung überhaupt gesellschaftsrelevant? Was muss ich beachten, damit die Einbindung meiner Ergebnisse in die Praxis ermöglicht wird? Welche Bedarfe gibt es überhaupt? Funktioniert die Theorie in der Praxis eigentlich?

Die vermehrte Verbreitung von „Fakenews“ und pseudowissenschaftlichen Veröffentlichungen ist ein weiteres Argument dafür, echte wissenschaftliche Forschung zu illustrieren. Als Kontrastprogramm könnten diese Darstellungen Mitbürger*n*innen aufzeigen, wo die Unterschiede zu „Fakenews“ liegen. Dazu braucht es aber die adressatengerechte und ehrliche Öffnung der wissenschaftlichen Gemeinschaften, die Mitmenschen authentische Erfahrungen in und mit der Forschung ermöglichen.

Eindrücke von NaWik-Symposium am 5. April 2019 in Karlsruhe, Fotos © NaWik 

Wo liegt das Problem?

Auch wenn es anscheinend viele Mehrwerte durch eine breite Wissenschaftskommunikation gibt, sind kommunizierende Forschende noch die Ausnahme. Warum also wird der Wissenschaftskommunikation kein großer Wert beigemessen? Das Primat der gängigen Publikationspraxis sieht den stärkeren Einbezug der Öffentlichkeit nicht vor. Zwar zählt zu den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis die aufrichtige Kommunikation und die Beachtung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse, dies bezieht sich jedoch bisher ausschließlich auf die wissenschaftliche Öffentlichkeit.

Zwar wird vermehrt bei der Erstellung von Anträgen zu Forschungsprojekten eine Kommunikationsstrategie zur Einbeziehung der Öffentlichkeit gefordert – diese wird jedoch häufig als „Antragslyrik“ angesehen und nach Erhalt der Förderung nicht weiter beachtet. Nachdem die „eigentlichen Forschungstätigkeiten“ begonnen wurden, verlieren die Projektwebsites an Bedeutung und liegen brach.

Zudem gibt es einige Hemmnisse in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit die eigene Berichterstattung auf die zivile Bevölkerung auszuweiten. Angst vor negativer Wahrnehmung der eigenen Forschung – sowohl von der Öffentlichkeit als auch von anderen Forschenden – verhindern häufig die Wissenschaftskommunikation durch Eigeninitiative. Zu den Ängsten zählt auch der Datenraub und -missbrauch aufwendig gewonnener Ergebnisse: Wenn ich meine Daten preisgebe, könnten sie fremd genutzt und veröffentlicht werden.

Vor diesem Hintergrund gehört die Wissenschaftskommunikation in Eigeninitiative zum Freizeitvergnügen. Es wird nicht als Forschungstätigkeit angesehen Blogbeiträge zu schreiben, Twitter zu pflegen oder YouTube zu bedienen. Häufig werden Engagierte dabei belächelt oder gerügt – nicht zuletzt, weil die breite Öffentlichkeit ja gar nicht das Ausmaß und die Hintergründe der Forschung verstehen kann. Das ist den Expert*en*innen vorbehalten!

Und nun?

Meiner Meinung nach liegen die Argumente für eine breitere Wissenschaftskommunikation klar auf der Hand und überwiegen. Das NaWik-Symposium „UND JETZT DU!“ hat mir gezeigt, dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin. Bisherige Bemühungen in der Öffnung des eigenen Forschungsalltags zeigen aber, dass eine Durchsetzung via „bottom-up“ – also von der Basis zur Spitze – nur bedingt fruchtbar ist. Zwar liefern Forschende, die ihre Tätigkeiten publik machen, viele Gegenargumente zu den Ängsten der Forschungsgemeinschaften und können durch ihre eigenen Erfahrungen Expertise für diesen Bereich liefern. Noch wird Wissenschaftskommunikation nicht als Arbeitszeit gezählt, das Ansehen dafür ist in der Forschungsgemeinschaft häufig negativ, sie tragen eher das Label „persönlicher Idealismus“ anstatt „gute wissenschaftliche Praxis“. Das kann sich meiner Meinung nach nur „top-down“ ändern.

Anreize schaffen!

Preise für verständlich wissenschaftliche Kommunikation wie „Klartext“ der Tschira-Stiftung sind Vorreiter dieser Wertschätzung und Anerkennung. Sie sollte aber fest verankert werden – nicht zuletzt in den Richtlinien guter wissenschaftlicher Praxis.

Plattform bieten!

Das NaWik Symposium „UND JETZT DU!“ ist vermutlich die erste Veranstaltung, die die konkrete Stärkung von Wissenschaftskommunikation von Seiten der Forschenden in Angriff nimmt. Der Schlüssel zum Gelingen und zur Umsetzung erarbeiteter Strategien heißt jedoch „Kontinuität“ und „enger Austausch“. Super, dass diese Veranstaltung nun als Auftakt verstanden werden kann, da 100% der Teilnehmer*innen für eine Fortsetzung dieses Formats gestimmt haben. Wir können uns also auf weitere Symposien freuen! Wünschenswert ist jedoch darüber hinaus, dass solche Veranstaltungen deutlich stärker und breiter vertreten sind. NaWik macht den Anfang – wir machen weiter! Wer die Augen bei Meetup offen hält, kann sich bald der Heidelberger Keimzelle anschließen.

Ausprobieren!

Mein Fazit der Veranstaltung ist: Probiere einfach verschiedene Kanäle für deine Wissenschaftskommunikation aus. Es gibt tolle Best Practice Beispiele wie „maiLab“ bei YouTube, Blogs bei Scilogs oder Twitteraccounts wie „Real-Scientists“ (@realsci_DE). So findest heraus …

… Wie es geht – Learning by Doing
… Welcher Kanal zu dir passt
… Welche Mehrwerte sich für dich ergeben
… Wer dich unterstützen kann
… Wie groß der Spaßfaktor sein kann
… dass die breite Bevölkerung mehr nachvollziehen kann, als du denkst.

Laura Arndt
Laura Arndt

Laura ist seit Januar 2018 im Team von TRANSFER TOGETHER und arbeitet für das Teilprojekt MINT-Bildung auch mal in einem Eisfach-Labor, wo zwar wärmeempfindliche Chemikalien geschont werden – die Laborantin aber nicht. Zu Lauras Projektseite.

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