FLAMMEN BRAUCHEN FUNKEN – REFLEXION EINES KAMINABENDS

 

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„Habt ihr denn auch einen richtigen Kamin?“ ist so ziemlich die erste Frage, die ich als Organisator von Kaminabenden gestellt bekomme, wenn ich zu einem solchen Event einlade.

Als Veranstaltungsformat in den unterschiedlichsten Bereichen hat sich der Kaminabend bereits etabliert. Im Prinzip handelt es sich um eine „meist lockere Gesprächsrunde (an einem Kamin) als Abendveranstaltung“, wie ich dann meist erläutere. Den Fokus lege ich tatsächlich auf das „locker“ und „Gesprächsrunde“, denn wenn es sich um einen starren Vortrag handeln würde, würde ich es auch solchen bewerben. Es wäre, als würde man mit Torte werben und Brot verkaufen. Macht man einfach nicht. Der Austausch zwischen Beteiligten, das Anregen einander durch Konversation und ein Experteninput als zündender Funke – das sind die Aspekte, die den Kaminabend so spannend gestalten und weswegen ich dieses Format für unsere erste Veranstaltung im Teilbereich „Gründung und Innovation“ gewählt habe.

Und nein, es ist kein richtiger Kamin vorhanden. Und das ist auch okay so (man denke nur an den Brandschutz).

Fast forward weg von Planung und Marketing und hin zum eigentlichen Abend, an dem ich in dualer Natur sowohl als Organisator als auch als Experte fungierte. Was mir persönlich immer direkt auffällt, egal ob bei der Begrüßung als Orga oder als Redner vorne, ist die Erwartungshaltung (vieler) Teilnehmer. Wäre die Körperhaltung und Mimik eine Displayanzeige, würde dort stehen: „Ich fordere Input, ich erwarte Content, ich will entertained werden.“

Der Flyer zur Veranstaltung: auch hier mit irreführenden Flammen.
Die Schule wirkt nach

Wir sind in Deutschland durch unser Schulsystem dermaßen geprägt zu erwarten, dass der da vorne liefert und wir passive Konsumenten sind, dass selbst reflektiere Pädagogen oder Bildungswissenschaftler in diese Haltung rutschen können. Schade eigentlich. Denn eine solche Veranstaltung lebt vom Austausch! Natürlich haben wir es auch diesmal geschafft nach dem Experteninput eine recht feurige Diskussion zu führen, doch der Funke brauchte recht lange zum Überspringen. Und das liegt an der davor verbrachten Zeit in passiver Haltung, in der wir abgleichen, ob was da vorne geredet wird, sinnig ist, uns interessiert, Relevanz hat, etc. Wir sind mehr mit Abgleichen und Verarbeiten für uns selbst beschäftigt, als gemeinsam mit anderen Gedachtes zu verarbeiten. So geht geistiges Potential verloren – dabei geht es bei dieser Veranstaltung um Innovation!

Jeder gute Gastgeber weiß, dass Speis und Trank bei einer gelungenen Veranstaltung nicht fehlen dürfen. Einerseits, weil manche Leute nur auf Veranstaltungen gehen, wenn es kostenfreies Essen gibt, andererseits weil viele erwarten, dass es wenigstens Snacks und Kaffee gibt. Was viele aus Sicht des Veranstalters vergessen: Aus Höflichkeit und der gebotenen Leibesversorgung bleiben Teilnehmer, auch wenn sie die Veranstaltung nicht gut finden. Wenn ich jemanden schon nicht begeistern kann, soll er wenigstens keinen knurrenden Magen haben.

Sehe das nur ich so?

Vielleicht kann ich aus den Kommentaren ein kostenfreies und leckeres Kuchendiagramm der Meinungen erstellen.

Hannu Sparwald

Wenn Hannu gerade keinen Design-Thinking-Workshop auf die Beine stellt, berät er Studierende und Forschende an der Hochschule zu den Themen Gründung und Innovation. Zu Hannus Projektseite.

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