VON DER TARANTEL GESTOCHEN

 

Schneller Puls und heftiges Klopfen sind normalerweise Warnzeichen für einen Giftrausch – oder die Klänge, die bei der süditalienischen Tarantella-Musik zu hören sind. Kathrin berichtet über den Workshop mit dem Percussionisten Massimo Cusato,

Die traditionelle Musik Süditaliens ist geprägt von den vielen „Festas“, die übers Jahr verteilt tausende von Menschen zum gemeinsamen Feiern mit Musik und Tanz auf die Straßen locken. Die Tarantella, die sich durch einen extrem schnellen Grundpuls und die durchgehende triolische Rhythmik auszeichnet, verkörpert die frenetische Lust am Musizieren und Tanzen. Nicht umsonst kommt der Name Tarantella zustande: Die ersten Beobachter dachten, die Tanzenden wären – von der in Süditalien früher sehr häufig vorkommenden Tarantel –  gestochen worden und würden nur durch den Giftrausch so ekstatischen tanzen. Massimo Cusato konnte beeindruckende Einblicke in Welt dieses Rhythmus‘ geben, dessen Mythen weit über die Grenzen Italiens bekannt sind.

Die Teilnehmer*innen an Massimos Meisterkurs konnten die Geschichte der Tarantella, die traditionell mit dem Tamburin gespielt wird, vom ersten Zeugnis der Verwendung von Rahmentrommeln in Mesopotamien im dritten Jahrtausend vor Christus, bis zu ihrer Übertragung auf den Rhythm and Blues und anderer zeitgenössischer Popularmusik, nachverfolgen und musikalisch miterleben. Diese Übertragung ist eine Idee von Massimo, der über viele Jahre hinweg eine Kombination des klassischen Drum-Set mit dem Tamburin und anderen Percussion-Instrumenten entwickelt hat. Auf diese Weise lassen sich die traditionellen Tarantella-Rhythmen vielseitig einsetzen und verleihen dem in der Popularmusik standardmäßig verwendeten Drum-Set ganz neue Klangmöglichkeiten.

Wer den Meisterkurs besucht hat, konnte nicht nur traditionelle Rhythmen auf dem Tamburin lernen, sondern auch jede Menge über die Geschichte und Kultur Süditaliens lernen. Die Spieltechniken, die von Region zu Region variieren, wurden ebenso thematisiert und praktisch erlernt, wie verschiedene landschaftliche Prägungen der Regionen.

Besonders anschaulich waren die vielen Hörbeispiele von Massimos Band Quartaumentata, die Massimos Idee der zeitgenössischen Übertragung der Tarantella deutlich werden ließen.

Ein zentraler Bestandteil des Meisterkurses waren natürlich viele praktische Phasen, in denen die verschiedenen Tarantella-Varianten, aber auch Afro-Kubanische Rhythmen gemeinsam geübt wurden:

Massimo konnte dann zeigen, wie sich diese Rhythmen in Verbindung mit dem Drum-Set anhören können:

Die vielen praktischen Übungen können die Teilnehmer*innen in ihr tägliches Üben integrieren, – egal welche Instrumente sie spielen – denn rhythmische Fähigkeiten sind integraler Bestandteil jedes Instrumentalspiels.

Wir haben uns sehr gefreut, Massimo bei uns zu Gast zu haben. Auch er arbeitet am Transfer-Gedanken, indem er traditionellen Rhythmen einen neuen Kontext verleiht und sich über seine Kurse mit Menschen austauscht. Herzlichen Dank an die Heimann-Stiftung, die es ermöglicht hat, dass dieses Angebot für alle Teilnehmer*innen kostenlos sein konnte!

Kathrin Schweizer

Mit Musik Toleranz lernen: Kathrin zeigt Kindern und Jugendlichen Musik aus anderen Kulturen und macht deren Vielfalt durch außerordentliche Konzertorte erlebbar. Zu Kathrins Projektseite.

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