DIVAN, EIN TRANSFERTRAUM

 

Divan, Goethe, Interkulturelle Bildung, Musik, PH Heidelberg, Transfer Together
Transfer bedeutet auch, voneinander zu lernen. Bei der Kinderoper „DIVAN … der Traum einer Freundschaft“ konnten nicht nur Kinder, Studierende und Musiker*innen voneinander lernen, sondern auch Goethe von seinem persischen Dichterkollegen Hafis. Kathrin berichtet über ein farbenfrohes Beispiel interkultureller Bildung und Zusammenarbeit an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Wenn unterschiedliche Gruppen an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, ist eine gemeinsame Vision unerlässlich, um ein Ergebnis zu erzielen, mit dem alle Beteiligten glücklich sind. An der Realisierung der Kinderoper „DIVAN… der Traum einer Freundschaft“ waren vier Seminare und ihre Leiter, ein Kinderchor, ein Komponist, eine Arrangeurin, zwei Librettisten und viele helfende Hände beteiligt. Das Ergebnis dieser immensen Kooperation konnte in der dritten Januarwoche in der Festhalle der Pädagogischen Hochschule Heidelberg bestaunt werden. Das farbenprächtige und facettenreiche Spektakel ließ erahnen, dass es definitiv eine gemeinsame Vision gegeben haben muss. Das TRANSFER TOGETHER-Teilprojekt „Lieder aus der Fremde“ hat die Produktion initiiert, koordiniert und mitgestaltet.

Die Kinderoper DIVAN erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen und auf den ersten Blick unmöglichen Freundschaft – nämlich der zwischen Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) und Mohammed Schemseddin Hafis (1315 oder 1325 – 1390). Die beiden weltberühmten Dichter treffen sich im Traum und erfahren gemeinsam, wie wichtig Freundschafen sind: die, zwischen einzelnen Personen, aber auch die, zwischen Ländern, Kulturen und Generationen, also über alle Grenzen hinweg. Durch die Begegnung mit Hafis und der fremden Welt gelingt es Goethe „Ginkgo Biloba„, ein Gedicht über die Freundschaft zu schreiben, das ausgehend vom Baum aus dem fernen Osten zur Schlussfolgerung führt, dass wir alle „eins und doppelt“ sind.

Die schauspielerische Arbeit wurde von Holger Metzner übernommen, der in detailreichen Proben sehr plastische Charaktere für das west-östliche Märchen erschaffen konnte und so die Figuren Goethe und Hafis aus der zeitlich und räumlich fernen Welt für die Zuschauer ganz greifbar werden ließ. Die Studierenden der Theaterpädagogik überzeugten in ihren Rollen und trugen wesentlich dazu bei, dass Handlung und Musik mit täuschend real wirkendem Leben gefüllt werden konnten.

Eine unbekannte Klangsprache

Die musikalische Leitung hatte Wessela Kostowa-Giesecke, die im Rahmen ihres konzertpädagogischen Seminars Instrumentalisten und Sänger auf die Aufführung vorbereitete und den Studierenden dabei zeigte, wie musikalisches Material kindgerecht aufbereitet werden kann. Die Musik des türkischen Komponisten Mehmet Yesilcay, die von Kathrin Schweizer für die Oper zusammengestellt und arrangiert wurde, war für die Musiker nicht immer sofort zu verstehen. Die unbekannte Klangsprache und die rhythmischen Finessen der orientalischen Musik mussten in intensiver Probenarbeit verinnerlicht werden. Musiker und Sänger konnten ihr Repertoire so um die orientalische Klang- und Rhythmussprache erweitern.

Licht- und Tontechnik wurden in einem kooperativen Seminar von Studierenden der Theaterpädagogik und der Musik, unter der Leitung von Sanne Walentin und Paul Stolze, auf die Opernproduktion zugeschnitten. Die stimmungsvoll konzipierten Lichteffekte konnten die Handlung passend untermalen und verzauberten die Zuschauer. Die Tontechnik sorgte dafür, dass auch bis zum letzten Platz alle Nuancen der Musik deutlich wahrnehmbar waren. Das Besondere an der Kooperation war, dass die Studierenden sowohl in Licht- als auch in Tontechnik fachlich sehr kompetent geschult werden konnten.

In der Phase der Endproben wurde außerdem der Kinderchor der Landhausschule unter der Leitung von Susanne Dressler integriert, der zwei Stücke aus DIVAN vorbereitet hatte. Nicht nur musikalisch, auch szenisch wurden die Kinder des Chores in die Bühnenhandlung integriert.

Mit der Produktion der Kinderoper DIVAN wurde anschaulich, wie hochschulinterner und –externer Transfer lebendig und zielorientiert gestaltet werden kann. Alle Beteiligten würden die Kooperation im kommenden Wintersemester gerne fortführen und entwickeln bereits neue Ideen für ein weiteres buntes Bühnenerlebnis.

Kathrin Schweizer, Team, Transfer Together
Kathrin Schweizer

Mit Musik Toleranz lernen: Kathrin zeigt Kindern und Jugendlichen Musik aus anderen Kulturen und macht deren Vielfalt durch außerordentliche Konzertorte erlebbar. Zu Kathrins Projektseite.

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