GUTE VORSÄTZE

 

Neujahr, Silvester, Vorsätze, unsplash.com, Danil Aksenov
Gute Vorsätze – ein Klassiker zum Jahreswechsel, auch bei der Dissertation und Projektarbeit. Bevor wir das Projektjahr 2019 hinter uns lassen, nimmt euch Laura an der Hand und erzählt, wie sie vorgeht, um ihre Vorsätze nicht verpuffen zu lassen.

Meine guten Vorsätze habe ich mir nicht für das neue Jahr gesteckt. Natürlich ist ein Jahreswechsel ein vortrefflicher Anlass. Aber Wechsel erleben wir eigentlich andauernd: den Beginn eines neuen Tages, eines neuen Monats, eines neuen Semesters und so weiter. Warum also bis Silvester warten?

Anlässe für gute Vorsätze

Für das Jahr 2019 hatte ich den guten Vorsatz, mehr Artikel für meine Dissertation zu lesen. Ich habe mir vorgenommen pro Woche drei Artikel zu lesen. Bis Ende Februar hatte ich vier Artikel geschafft und war offensichtlich kläglich gescheitert. Ich wollte für einen neuen Versuch nicht bis zum neuen Jahr warten und habe mir deshalb im Oktober nochmals vorgenommen mehr Artikel für meine Dissertation zu lesen. Wichtig dabei ist, dass wir die Anlässe nicht inflationär nutzen. Wer zum gewählten Anlass keine Lust hat, seine Vorsätze anzugehen, weicht auf den nächsten Anlass aus. Die Anlässe sollten also genau so bewertet werden wie ein Jahreswechsel – ein Startschuss, der Konsequenz und Ehrlichkeit einfordert.

Lektion #1: Anlässe für eine Verbesserung des Alltags gibt es nicht nur zum Jahreswechsel. Trotzdem sollten wir nach dem Startschuss konsequent bleiben.

Meilenkiesel vor Meilenhinkelsteinen

Wir wissen eigentlich alle: Vorsätze wie „Jeden Tag Sport machen!“ oder in meinem Fall „Drei Artikel pro Woche lesen!“ funktionieren nicht. Warum? Zum einen ist die Vorstellung eines guten Vorsatzes zu radikal. Von jetzt auf gleich einmal komplett das Leben umkrempeln. Die Euphorie ist dabei sehr groß: „Ab heute mache ich alles ANDERS!“ – hält aber einfach nicht lange an. Zum anderen resultiert daraus auch die Übertreibung unserer persönlichen Ziele. Gute Vorsätze haben Ausmaße von Meilenhinkelsteinen, die schwer zu handhaben sind. Kleinere Ziele – Meilenkiesel – wie „ich blocke mir vier Stunden wöchentlich zum Lesen“ sind realisierbarer. Wir meinen zwar, dass große Ziele einen Zugzwang hervorrufen, die zu großen Veränderungen führen, die eigenen Erfahrungen widersprechen dem aber. Erfolgserlebnisse bleiben langfristig aus, schlicht weil wir uns übernommen haben.

Lektion #2: Setze dir Ziele anstelle von generellen Vorsätzen. Kleinere Ziele sind leichter zu erreichen, ermöglichen Erfolgserlebnisse und motivieren zur Fortsetzung. Kleinvieh macht schließlich auch Mist!

Erfolgskontrollen

Häufig übersehen wir die kleinen Erfolge. Wenn ich in einer Woche zum Beispiel nur einen von drei Artikeln lesen konnte, neige ich dazu die zwei versäumten Artikel stärker zu gewichten als den einen abgeschlossenen. Erfolgserlebnisse sind jedoch maßgeblich, wenn wir langfristig motiviert bleiben wollen. Selbst bei gewählten Meilenkieseln ist es wichtig, Teilziele zu definieren, die wir beispielsweise in einem bestimmten Zeitraum erreicht haben wollen (siehe auch #mentalstark) oder diese zu priorisieren. Das ermöglicht eine Erfolgskontrolle und motiviert zum Weitermachen. Zudem überprüfen wir somit auch immer wieder, ob wir uns auf einem guten Weg zur Erreichung unserer Ziele befinden. Für mein Beispiel kann ich mich also fragen, warum ich nur einen und nicht drei Artikel bearbeiten konnte. Stand in der Woche generell viel an? Habe ich ungünstige Zeitpunkte für meine geblockten Lese-Stunden gewählt und sollte die Arbeitsphase lieber von nachmittags auf morgens verlegen?

Lektion #3: Erfolgskontrollen bei der Erreichung von Teilzielen können motivieren und ermöglichen die Anpassung des eigenen Handelns, falls Ziele nicht erreicht werden. Die Teilziele sollten jedoch auch realistisch sein!

Zuckerbrot oder Peitsche?

Haben wir unsere Erfolgskontrolle durchgeführt und ein Teilziel erreicht, neigen wir nicht selten dazu ehrgeiziger zu werden: „Ich habe vorzeitig alle drei Artikel gelesen, jetzt geht auch noch ein vierter“. Der Ehrgeiz packt uns und wir neigen zur Peitsche. Wie wir aber nicht zuletzt aus unseren alltäglichen Erfahrungen wissen, funktioniert das Prinzip der Belohnung – des Zuckerbrotes – nachhaltiger und besser. Daher scheint es sinnvoller zu sein, sich bei einem Erfolgserlebnis zu belohnen, anstatt die Meilenkiesel wieder durch Meilenhinkelsteine zu ersetzen. Meine Belohnung nach Artikel Nummer drei ist beispielsweise ein geselliger Abend mit Freunden in meiner Lieblingskneipe oder ein ausgiebiger Saunabesuch.

Lektion #4: Auf die Arbeit folgt das Vergnügen. Wer etwas geleistet hat, sollte dies auch mit einer kleinen Belohnung zelebrieren. Das spornt an.

Diät oder Ernährungsumstellung?

Gute Vorsätze sollen etwas langfristig verändern. Es geht nicht um einen kurzen Zeitabschnitt, in dem wir 150% geben, um danach wieder in die ursprünglichen Routinen zu verfallen. Das wären Diäten, Trainingslager oder Kuren. Sie sind für den Moment zwar wirksam, der Jo-Jo-Effekt – in welcher Form auch immer – bleibt aber nicht aus. Nach meinem Verständnis geht es bei guten Vorsätzen nicht um Kurzfristigkeit, sondern um Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass wir bei der Setzung unserer Ziele auch überlegen müssen, wie gut sie sich mit unserem Alltag vertragen, wie erfolgreich sie zu neuen Routinen führen. Ich beginne beispielsweise meine Lesephase mit einem Tee. Dabei stelle ich mich schon einmal auf die kommende Aufgabe ein und verstetige diese Phase durch andere Routinen. Zudem tausche ich mich ab und zu mit anderen Doktorierenden zu gelesenen Texten oder Literaturtipps aus. Damit erhält eine persönlich gesetzte Frist mehr Bedeutung, weil ich mich in meiner „Leidensgemeinschaft“ bloßstellen muss, wenn ein Teilziel nicht erreicht wurde. Wir müssen uns also bei unseren guten Vorsätzen die Frage stellen, ob wir sie langfristig leben und wie wir sie verstetigen können.

Lektion #5: Vorsätze brauchen Nachhaltigkeit. Nur solche Vorsätze, die langfristig in den Alltag integriert werden können, führen zu veränderten Routinen und somit zu einem verbesserten Lebensstil.

Und ihr?

Ich hoffe meine persönlichen Lektionen helfen euch bei der Umsetzung eurer guten Vorsätze. Habt ihr vielleicht eigene Erfahrungen gemacht oder weitere Tipps? Was sind eure guten Vorsätze?

Laura Arndt
Laura Arndt

Laura ist seit Januar 2018 im Team von TRANSFER TOGETHER und arbeitet für das Teilprojekt MINT-Bildung auch mal in einem Eisfach-Labor, wo zwar wärmeempfindliche Chemikalien geschont werden – die Laborantin aber nicht. Zu Lauras Projektseite.

Comments (3)

Ich bin letztens darauf gestoßen, dass ich wohl letztes Jahr den Vorsatz hatte, mehr zu twittern: https://transfertogether.de/jahresrueckblick-2018/ Auch, wenn ich das zwischendurch vergessen hatte, hat’s ziemlich gut geklappt in diesem Jahr. Vielleicht lag’s daran, dass ich es niedergeschrieben habe…? Wieso also nicht nochmal versuchen? Für 2020 nehme ich mir vor, die Themen Wissenschaftskommunikation & Social Media auf breiterer, wissenschaftlicher Basis zu beackern. Wish me luck 🙂

Max, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich drücke natürlich weiterhin die Daumen, aber du bist in meinen Augen auf einem richtig guten Weg! Bei mir funktioniert Aufschreiben auch immer toll für die Verinnerlichung. Aber könnten bei der unbewussten Umsetzung deines Vorsatzes noch weitere Faktoren eine Rolle spielen? Bist du affin für deine Tätigkeiten in der Social Media Welt? Hast du Spaß an dem, was du für die Umsetzung deines Vorsatzes machst? Kannst du deinen Vorsatz gut in deine Lebens- oder Arbeitswelt integrieren? Und was in meinen Augen vielleicht besonders gewichtet werden sollte ist, dass du durch die Tätigkeit sehr schnell Feedback bekommst – Erfolgserlebnisse stellen sich dann automatisch ein und du erlebst den Fortschritt hautnah. Was denkst du, wenn du einmal darüber nachdenkst?

Ich hab’s mir insofern einfach gemacht, indem ich mir ein Ziel gesteckt habe, von dem ich wusste, dass es mir Spaß machen wird. Es war eher die innere Faulheit und Zögerlichkeit, ob dies oder jenes nun wirklich auf Twitter gehört. Dank meines Jobs ließ sich eine gesteigertes Zwitschern aber hervorragend in meinen Arbeitsalltag integrieren. Das war auch wichtig. Das erhoffe ich mir auch, wenn’s an die Lektüre geht. Wo ließe sich besser wissenschaftlich recherchieren als an einer Hochschule? 🙂

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