GEGRÜNDET, UM EIN PROBLEM ZU LÖSEN

 

Diversity, unsplash.com, Tim Mossholder
Svenja und Linda haben Heimline gegründet. Die Matching-App soll Frauen mit einem ähnlichen Heimweg zusammenbringen, sodass sie nicht alleine Hause laufen müssen. Unterstützt wurden die Gründerinnen durch das Accelerator Programm der PH Heidelberg. Carsten hat mit ihnen über ihre Gründung gesprochen. Ein Gastbeitrag des Transferzentrums.
Svenja und Linda, ihr seid die Gründerinnen von Heimline. Könnt ihr euch bitte einmal kurz vorstellen und erklären wofür Heimline steht?

Wir sind Svenja Schilling (22 Jahre) und Linda Engelen (21 Jahre) aus Heidelberg. Svenja hat im September 2020 ihren Bachelor an der DHBW Mannheim gemacht, arbeitet derzeit bei SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e. V.) und wird zum Wintersemester 2021 ihren Master beginnen. Linda studiert aktuell Soziologie und Psychologie an der Universität Mannheim.

Viele Frauen haben Angst, wenn sie nachts allein nach Hause laufen und schränken sich durch diese Angst in ihrer Bewerbungsfreiheit ein. Mit Heimline möchten wir dieses Problem lösen und eine Matching-App entwickeln, die Frauen mit dem ähnlichen Heimweg zusammenbringt, so dass keine Frau mehr allein nach Hause laufen muss. Heimline steht also für Gleichberechtigung, Freiheit und einen sicheren Heimweg für alle.

Die Gründerinnen von Heimline, Svenja Schilling und Linda Engelen.
Wie kamt ihr auf die Idee Heimline zu gründen?

Im Rahmen des TZ Accelerator zum Thema Chancengerechtigkeit haben wir uns Gedanken darübergemacht, wo wir selbst Einschränkungen im Alltag erfahren, und sind so sehr schnell auf eine Problemstellung gestoßen: Von klein auf wurde uns mitgegeben, dass wir auf dem Heimweg aufpassen sollen. Viele Frauen haben ein niedriges Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum, sind mit Catcalling konfrontiert oder werden sogar Opfer sexueller Übergriffe. Wir beide sind ebenfalls tagtäglich mit Ängsten im öffentlichen Raum konfrontiert und haben Heimline aus eigenem Bedarf ins Leben gerufen. Unsere Gründung bedeutet für uns, diese Angst nicht mehr nur hinzunehmen, sondern aktiv gegen sie anzugehen und ins Machen zu kommen. Wir möchten über Probleme nicht nur sprechen, sondern konkrete Lösungen bieten. Ziel unserer eigenen Gründung ist es, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, um einer Welt, in der sich jede:r angstfrei bewegen kann, ein Stück näher zu kommen.

Wo steht ihr aktuell und wie sah eure Reise bis jetzt aus?

Ende 2020 haben wir uns über Instagram kennengelernt und konnten durch die Teilnahme am TZ-Accelerator Programm der PH Heidelberg eine erste Idee ausarbeiten, an unserem Corporate Design arbeiten, ein Logo designen und unsere Webseite entwickeln. Seit der Teilnahme am Accelerator haben wir bereits die Idee von einem “Taxi von Frauen für Frauen” verworfen und hauptsächlich Marktanalyse betrieben. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse möchten wir nun zur Produktspezifizierung und Geschäftsmodellentwicklung übergehen.

Die Weiterentwicklung des Produkts soll im stetigen Austausch mit der Zielgruppe erfolgen, weshalb Öffentlichkeitsarbeit und der Aufbau einer Community via Instagram (@heim_line) momentan in unserem Fokus steht.

Auf eurem Instagram Account sagt ihr, dass ihr mit Heimline Frauen einen sicheren Heimweg ermöglichen wollt. Wie genau wollt ihr das praktisch umsetzten?

Konkret soll eine Matching- App entwickelt werden, durch die sich Frauen mit einer ähnlichen Route matchen und so gemeinsam den Heimweg bestreiten können. Die Nutzerinnen geben einfach ihren groben Zielort, gewünschtes Verkehrsmittel und voraussichtliche Uhrzeit des Heimwegs ein und bekommen dann mögliche Heimwegfreundinnen vorgeschlagen. So wird das Sicherheitsgefühlt der Frauen erhöht und auch die Wahrscheinlichkeit eines sexuellen Übergriffs reduziert. Außerdem erlangen die Kund:innen mehr Flexibilität und Unabhängigkeit, da sie so nicht auf ihre Freund:innen angewiesen sind. Durch eine Ausweisverifizierung soll sichergestellt werden, dass es nicht zum Missbrauch der App kommt.

Was macht Heimline einzigartig?

Wir sind selbst Teil der Zielgruppe und Betroffene der Angst. Durch diese Position haben wir einen geschärften Blick für das Thema (Un)Sicherheit im öffentlichen Raum. Zudem greifen die existierenden Lösungsansätze wie das altbekannte Schlüssel in der Hand halten, Pfefferspray, Heimweg-Apps oder Standort teilen erst, wenn es bereits zu spät ist. Wir wollen präventiv und aktiv das Problem des allein nach Hause Gehens lösen.

Ist für euch die Metropolregion Rhein-Neckar ein guter Ort zum gründen?

Ja, auf jeden Fall. Neben dem TZ Accelerator haben wir viel Unterstützung durch den S-HUB Mannheim bekommen, welcher sich besonders auf die Förderung von Sozialunternehmer:innen fokussiert und uns so in vielerlei Hinsicht beraten konnte. Außerdem konnten wir durch den Gründerinnen Stammtisch des Gig7 wertvolle Kontakte knüpfen und freuen uns sehr, dass hier ein Raum nur für Gründerinnen geschaffen wurde. Besonders die spezifische Unterstützung für Social Startups und Frauen in der Gründer:innenszene schätzen wir sehr.

Aber auch zur Entwicklung unserer Idee „Taxi von Frauen für Frauen“ sind wir bei den städtischen Stellen auf offene Ohren gestoßen. Wir durften also bereits sehr viele gute Erfahrungen machen und haben von vielen Institutionen und Anlaufstellen Unterstützung erhalten.

Was steht als nächstes an und wie sehen eure Zukunftsvisionen aus?

Im Sommer möchten wir uns ein paar Monate lang sehr intensiv mit unserer Idee befassen und diese so ein großes Stück weiterbringen. Hierbei hoffen wir auch wieder auf die Teilnahme an einem Accelerator-Programm. Im Fokus wird dann zunächst einmal die Produktspezifizierung stehen. Weiterhin möchten wir unsere Community in unseren Entstehungsprozess involvieren und das Produkt nach den Bedürfnissen der Zielgruppe entwickeln. Im Rahmen dessen werden wir beispielweise eine quantitativ angelegte Umfrage durchführen, aber auch unseren Instagram-Kanal weiter pflegen.

Carsten Huber

Carsten ist für die Innovations- und Gründungskultur an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zuständig. Als erfahrener Gründer unterstützt er Gründungsvorhaben von der Ideenfindung bis zur Investment Readiness. Zu Carstens Projektseite.

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