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GEMEINSAMKEITEN VON SÄBELZAHNTIGERN UND VIREN

 

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Covid-19 ist die größte Ausnahmesituation seit dem Zweiten Weltkrieg und konfrontiert alle mit persönlichen Anforderungen, wie Stress, Existenzängste oder Einsamkeit. Daniel vom Heidelberger Kompetenztraining (HKT) gibt Übungen an die Hand, die euch helfen, diese Krise emotional zu bewältigen.

Werfen wir einen Blick durch die „HKT-Brille“. Die Wortwahl in dieser Zeit ist drastisch. Es ist sogar die Rede von Krieg. Ein Krieg gegen einen unsichtbaren Gegner. Wieder andere verschließen die Augen und erklären, das sei alles nicht so schlimm. Bald folge alles wieder dem alten Trott.

Sicher ist, dass die Situation eine persönliche und gesamtgesellschaftliche Ausnahmesituation ist.

Diese ist in zweifacher Weise eine Bedrohung. Sie bedroht sowohl unsere Gesundheit als auch die ökonomische Lebensgrundlage vieler. Nur ein Hellseher kann abschätzen, welche Folgen diese Lage haben wird. Auch unsere psychologischen Grundbedürfnisse sind absolut unbefriedigt. Das Grundbedürfnis nach Orientierung und Kontrolle ist unbefriedigt, denn das einzig Sichere ist, dass sich die Meldungen überschlagen. Das Grundbedürfnis nach Bindung und Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, denn wir leben entweder alleine und haben nur digitale Kontakte, oder wir leben in einer verordneten Dauergemeinschaft, und sind diese ständige Nähe nicht gewohnt.

Was sagt die Neurowissenschaft mit Blick auf die Situation?

Die Bedrohungslage, welche unsere Grundbedürfnisse einschränkt, führt in uns Menschen zur Ausschüttung von Stresshormonen. Diese schränken unsere Fähigkeit stark ein, Probleme kreativ zu lösen, und sorgen dafür, dass zielgerichtetes Handeln noch schwieriger wird, als es in dieser unvorhersehbaren Situation ohnehin ist.

Mehr als eine bloße Herausforderung

Nun möchte ich nicht in der Haut von Entscheidungsträgern stecken, die in dieser Krise täglich Entscheidungen treffen müssen, doch kann man ihr Verhalten exemplarisch betrachten. Manche zeigen Verhaltensmuster, die unseren Vorfahren das Überleben sicherten, nämlich angreifen, fliehen oder sich totstellen. Das Problem ist jedoch, dass unsere Welt und diese Krise komplexer sind, als die unserer Vorfahren, die sich zum Beispiel gegen einen Säbelzahntiger wehren mussten. Wir sind also zweifellos alle mit einer Stresssituation konfrontiert, die viele von uns nicht als Herausforderung, sondern als Bedrohung erleben.

Als Trainer für das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) stellt sich nun die Frage, was das HKT beitragen kann, damit wir diese Krise gut bewältigen können.

1. Geduld

Wir brauchen in diesen Tagen positive Inseln, in denen wir auftanken können und uns gut fühlen. Dabei geht es nicht um Selbstoptimierung, nach dem Motto: „Ab morgen mache ich täglich 60 Minuten Yoga, meditiere und backe Brot.“ Wenn es dir guttut, kannst du das machen, aber eben nur dann. Habe Geduld mit dir, denn dein Gehirn ist gerade dabei, sich an diesen Umbruch anzupassen. Das kostet Energie. Sei also geduldig mit dir.

2. Positive Emotionen

Mit der Empfehlung meine ich nun nicht, dass du dich in die mentale Hängematte legen solltest und die Zügel schleifen lässt. Ziele zu setzen, zu verfolgen und zu erreichen sorgt auch für positive Emotionen. Ein kleiner Hinweis am Rande: „Positive Emotionen stärken unser Immunsystem.“

Wenn du dich jetzt entscheidest, dir ein Ziel zu stecken, solltest du vor allem darauf achten, dass die Zielerreichung nicht zu weit in der Zukunft liegt, die Erreichung in deiner Macht liegt, und das Ziel attraktiv ist. Hier findest du eine Anleitung, wie du zu einem guten Ziel kommst.

Wenn du für dich ein gutes Ziel gefunden hast, solltest du dir noch die Frage stellen, wie du dein Ziel gegen Hindernisse abschirmen kannst. Dazu nutzen wir im HKT unter anderem sogenannte Wenn-dann-Sätze.

3. Achtsamkeit

Momentan prasseln täglich und stündlich Meldungen über Corona auf uns ein, die uns mehr oder weniger betroffen machen und uns belasten können. Vor allem richten sie aber die Aufmerksamkeit nach außen, und die daraus entstehenden Fragen sorgen für Stress. Wie lange wird es noch dauern? Wie organisiere ich die Versorgung meiner Eltern, oder Großeltern?  Wie bekomme ich meine Arbeit und meine Kinder unter einen Hut? Schaffe ich es wirtschaftlich durch diese Krise? Es fällt uns im Stress sehr schwer, gute Entscheidungen zu treffen. Neben positiven Inseln können auch Achtsamkeitspraktiken helfen, mit diesem Stress umzugehen. Deshalb meine Empfehlung: Sei achtsam mit dir.

Im HKT sprechen wir auch von Geistesgegenwart oder Konzentration. Im Kern zielen alle diese Begriffe darauf ab, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren. Es gibt viele Übungen, aber wenn du diesen Text liest, lade ich dich ein, für 5 Minuten eine Übung durchzuführen:

Suche dir einen Ort, an dem du für 5 Minuten ungestört bist, und beantworte in dieser Zeit für dich folgende Fragen:

  1. Was sehe ich, und wie groß ist eigentlich mein Gesichtsfeld? Du wirst feststellen, dass du in deinem Gesichtsfeld sehr viel mehr wahrnimmst, als den Bereich, in dem du bewusst auf ein Objekt fokussierst.
  2. Was höre ich, und aus welcher Richtung kommt der Klang zu mir?
  3. Was rieche ich?
  4. Gibt es auch etwas zu schmecken?
  5. Welches Gefühl habe ich gerade, und wo spüre ich dies in meinem Körper? An einer Stelle besonders, oder ist das ein Ganzkörpergefühl?

Versuche nur wahrzunehmen und diese Wahrnehmungen zu beobachten. Es ist ganz normal, dass dir dabei auch immer wieder interpretierende Gedanken durch den Kopf gehen. Nimm auch diese aus einer beobachtenden Position wahr, und lasse sie anschließend „vorüberziehen wie Wolken am Himmel“.

Viel Erfolg!

Daniel Preuß, Team, Transfer Together
Daniel Preuß

Gesund durch mentale Stärke: Daniel verbreitet das Konzept des Heidelberger Kompetenztrainings (HKT) in der Region. Durch den regen Austausch entwickelt er ihre Methoden stetig weiter. Zu Daniels Projektseite.

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