MÜLLREDUKTION, EIN SELBSTVERSUCH

 

Gemüse, BNE, Nachhaltigkeit, unsplash.com, Markus Spiske
Wie schlimm steht es um unseren Verpackungsmüll und unser Recyclingvermögen? Sollten wir panisch sein und jegliche Verpackung aufwendig vermeiden, resignieren und mit Ignoranz hausieren? Laura durchlebte in ihrem Selbstversuch „Verpackungsvermeidung“ diese und weitere Phasen und kommt zur Universalerkenntnis: Mittelmaß und Bewusstsein.
Phase 1: Bemühte Weltverbesserin

Nun läuft mein Selbstversuch bereits ein ganzes Jahr. Anfangs habe ich mir diese neue Herausforderung der Verpackungsvermeidung nicht so umständlich vorgestellt, aber die ersten Wochen waren wirklich entbehrungsreich. Verarbeitete Lebensmittel wie Pizza, Chips oder Maultaschen konnte ich von meiner Einkaufsliste streichen. An den Regalen mit Mehl, Nudeln, Hülsenfrüchten und Kaffee ging schweren Herzens vorbei: „Das hole ich im Unverpackt-Laden!“. Den Rucksack stehts mit Behältern, Beuteln und Flaschen gefüllt, klapperte ich einen Laden nach dem anderen ab, bis der Wocheneinkauf nach 3-4 Läden erledigt war. Klar, Wege lassen sich verbinden, Routinen lassen sich umstellen. Und hochmotiviert, wie ich anfangs war, glaubte ich noch, dass dies eine realisierbare Umstellung ist. Fehlanzeige. Meine sich entwickelnde Sturheit hatte letztendlich zur Folge, dass mein Selbstversuch nicht nach und nach versandete. Ich habe ihn gesprengt.

Phase 2: Schlechte Verliererin

Nach den Erfahrungen der ersten 2 Monate war ich so frustriert und gestresst, dass ich den Selbstversuch aufgeben wollte. Ich war sauer, dass mein Aufwand in keinem Verhältnis zum Mehrwert stand. Ich muss einfach zugeben, es war zu unpraktisch und radikal, um irgendwie Routine zu werden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich wie eine Verliererin gefühlt: „Gut, Lebensmittelproduzenten und -konzerne, ihr habt gewonnen. Ich gebe auf!“ Ich war aber eine schlechte Verliererin und kehrte der ganzen Idee den Rücken. Ich glaube, in den ersten Wochen ist mein Verpackungsverbrauch explodiert, weil ich all die verpassten Pizzen, Tortellinisalate und Maultaschengerichte in kürzester Zeit nachholte. Das war dann wohl mein Jo-Jo-Effekt.

Nach dieser Phase der Frustbewältigung normalisierte sich nicht nur mein Kaufverhalten, sondern auch meine Haltung zum Thema „Verpackungsvermeidung“. Denn in den Wochen danach bemerkte ich einige Veränderungen.

Phase 3: Stoische Beobachterin

Es fiel mir bei einem normalen Einkauf auf. Im Einkaufswagen befanden sich Milch und Milchprodukte in Mehrwegglas, das Gemüse in Netzen oder lose, Tiefkühlgemüse und Waschmittel in der Pappschachtel, Käse in der Papiertüte, Reinigungsmittel in Nachfüllbeuteln… Unbewusst habe ich aus Phase 1 ein Kaufverhalten übernommen, welches zumindest die „besten“ Alternativen hinsichtlich Verpackung, aber auch Regionalität und Saisonalität darstellt. Mich freute diese unbewusste Wandlung und ich setzte meinen Selbstversuch fort. Es kommt nicht auf den absoluten Verzicht an, sondern auf einen bewussten und bedachten Konsum von Verpackungsmaterial. Verpackungsmaterial ist nicht gleich Verpackungsmaterial, wichtig sind auch Gewicht und Transportwege so wie die Recycelfähigkeit. Also beobachtete ich weiter, recherchierte und beäugte das Verpackungsangebot im Supermarkt kritisch.

Phase 4: Bewusste Konsumentin

Ich lernte in diesem Jahr, dass es zumindest für mich keinen Jakobsweg der Verpackungsvermeidung gibt. Hier denke ich gerne an die 80-20-Regel, die mir mein Freund gerne vorbetet, wenn ich wieder mal übereifrig werde: „Die ersten 80% kannst du leicht erreichen, die letzten 20% sind dafür besonders herausfordernd. Bleib bei 80% und bleib locker!“

Immerhin werden in Deutschland 60% unseres Mülls recycelt und wir produzieren nur noch halb so viel Müll wie vor 35 Jahren. Das ist aber trotzdem kein Grund sich auszuruhen, denn 2018 produzierten die Deutschen 417,2 Mio. Tonnen Müll. Davon sind 44,4 Mio. Tonnen Haushaltsabfälle (2000: 37,6 Mio. Tonnen), was pro Einwohner eine Müllproduktion 535 Kilogramm pro Jahr bedeutet. Verpackungsvermeidung und Mülltrennung sind also immer noch gefragt.

Verpackungen lassen sich vermeiden oder zumindest reduzieren, wenn beim Einkauf (1) unverpacktes Obst und Gemüse, (2) Mehrweggläser (bspw. Milchprodukte), (3) Papier vor Plastik (bspw. Nudelverpackungen) und (4) leichte Verpackungsmaterialien (Transportwege, Plastik/Blech vor Glas) bevorzugt gekauft werden. Trotzdem gilt die Faustregel „Mehrweg ist besser als Einweg“. Das betrifft auch Einweggläser, die zwar durch Glascontainer gut dem Recycling zugeführt werden können, sich aber auch als Aufbewahrungsbehälter sehen lassen.

Die Mülltrennung haben die Kinder schon selbstverständlich drauf: Kunststoffverpackungen und Dosen in den Gelben Sack, Glas und Papier in die entsprechenden Container, organische Stoffe in die Biotonne. Es gibt Skeptiker*innen, die meinen, der getrennte Müll werde am Ende sowieso gemeinsam verbrannt. Das Gegenteil ist der Fall, denn unser Müll besteht aus Wertstoffen und ist sehr gefragt. Verbrannt wird, was nicht recycelt werden kann oder in den Müllsortierungsmaschinen verloren geht: Schwarze Plastikflaschen erkennen die Scanner nicht, Verpackungen aus Mischmaterial werden aussortiert, da sie gemeinsam nicht recycelbar sind. Lösen wir vor dem Wurf in die Tonne beim Joghurtbecher den Deckel oder bei der Hackfleischverpackung die Folie ab, schonen wir Ressourcen – und das ganz ohne erhöhten Puls.

Laura Arndt
Laura Arndt

Laura ist seit Januar 2018 im Team von TRANSFER TOGETHER und arbeitet für das Teilprojekt MINT-Bildung auch mal in einem Eisfach-Labor, wo zwar wärmeempfindliche Chemikalien geschont werden – die Laborantin aber nicht. Zu Lauras Projektseite.

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Comments (1)

Super, dass Du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast! Ich habe auch immer sehr darauf geachtet, wenig Verpackungsmüll zu kaufen. Ich musste aber feststellen, dass Müllvermeidung beim Einkaufen sehr deutlich in die Finanzen geht.. (auch Bio-Einkäufe) Seit kurzem kaufe ich vorrangig möglichst günstig beim Discounter ein, da wir Geld sparen müssen und merke, dass wir seit dem deutlich mehr Verpackungsmüll haben. Jetzt habe ich am zwar Ende des Monats kein Minus mehr auf dem Konto aber häufig ein schlechtes Gewissen. Frustrierend.

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