OPEN EDUCATIONAL RESOURCES

 

Die erste Station auf der Reise durch die Open-Science-Galaxien führt in die Welt von Open Educational Resources (OERs). Was sind OERs, an wen richten sie sich, welche Rolle spielt dabei das Urheberrecht und was hat das mit Wissenschaft zu tun? Ein Gastbeitrag des Transferzentrums.

Streng genommen handelt es sich bei Open Educational Resources nicht um Open Science. Schließlich sind Open Educational Resources ganz Allgemein offen zugängliche Bildungsmaterialien in jedweder Form – und keine Forschung. Das schließt nicht nur Bildungsmaterialien für den Schulunterricht und die Hochschullehre ein, sondern auch für Berufs- und Weiterbildung. Das kann alles sein: ein Foto von einem Tafelaufschrieb, ein Video-Mitschnitt einer Vorlesung, eine Textaufgabe aus einem Workshop oder eine ganze Unterrichtseinheit. Solche Materialien sind daher entweder das Produkt von Forschenden oder aber ein wichtiger Materialkoffer für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Das Prinzip hinter OER ist der offenen Wissenschaft sehr ähnlich. Es geht darum, öffentlich finanzierte Produkte einfacher zugänglich zu machen. Deshalb führt uns unser erster Zwischenstopp auf der Reise durch die Open-Science-Galaxien zu den Open Educational Resources.

Was sind Open Educational Resources (OER)?

Im Gegensatz zum Begriff von Open Science gibt es hier aber eine klare Definition seitens der UNESCO:

„Open Educational Resources (OERs) are any type of educational materials that are in the public domain or introduced with an open license. The nature of these open materials means that anyone can legally and freely copy, use, adapt and re-share them (…).”

Zu einer ähnlichen Definition kommt auch die HRK in einem Senatsbeschluss aus dem Jahr 2016: “Open Educational Resources (OER) sind frei verfügbare Lehrmaterialien, die alle Teilnehmenden nutzen, nachbearbeiten, neu zusammensetzen und weiterverbreiten können. Dabei kann die Nutzung durch abgestufte Lizenzen eingeschränkt werden.” Der Kern liegt in der Wiederverwendbarkeit der Lehrmaterialien: Damit etwas als Open Educational Resource gilt, muss es in irgendeiner Form wiederverwendbar sein – was allerdings nicht bedeutet, dass die Materialien kostenlos sein müssen. Wer wie was benutzen darf, ist im Urheberrecht geklärt.

Freie Lizenzen

Das Urheberrecht schützt geistiges Eigentum. Wenn ihr Materialien zur freien Verfügung benutzen (oder erstellen) wollt, müsst ihr euch zuerst mit den freien Lizenzen auseinandersetzen. Im Rahmen von OER werdet ihr besonders häufig auf sogenannten CC-Lizenzen (Creative Commons) stoßen. Material mit einer CC-Lizenz darf grundsätzlich genutzt, dupliziert, verändert und wiederum nochmal veröffentlicht werden. Am gängigsten sind:

  • CC ZERO: Urheber*in des Originals soll nicht genannt werden.
  • CC BY: Urheber*in des Originals soll genannt werden.
  • CC BY SA: Urheber*in des Originals soll genannt werden und die Wiederveröffentlichung muss unter derselben Lizenz erfolgen.

Neben diesen drei sehr häufigen Lizenzformen gibt es noch viele weitere. Um herauszufinden, welche Lizenz für euer Material am passendsten ist, hilft u.a. der CC-Generator von Creative Commons. Alle Materialien, die ihr benutzt oder erstellt, sollten nach den sogenannten TULLU-Regeln ausgewiesen werden. Das heißt:

Eine hilfreiche Anleitung zum Erstellen von OER (im Hochschulkontext) liefert die Initiative OER inForm in diesem kleinen Einführungsvideo. Daneben gibt es auf der Homepage zahlreiche Informationen und Ressourcen zum Thema, u.a. eine Anleitung für Lehrende zur Erstellung von OER-Materialien.

Wo finden sich Open Educational Resources?

Es gibt zahlreiche Plattformen, auf denen ihr OER finden könnt. Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Homepage von OER inForm. Einige der größten Plattformen seien hier kurz genannt:

  • Das ZUM Wiki ist eine offene Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse.
  • HND BW OER – hinter dem komplizierten Titel steckt das zentrale Repositorium für OER an den Hochschulen in Baden-Württemberg.
  • Das OERhörnchen ist eine übergeordnete Suchmaske für zahlreiche Portale und spart euch viel Recherche-Arbeit.

Neben speziellen Plattformen für Open Educational Resources gibt es auch die Möglichkeit, gängige Portale und Plattformen (wie etwa Google, Flickr oder die Wikimedia) mit Suchfiltern nach OERs zu durchsuchen.

Mehr zum Thema

Es bleibt ein kurzer Ausflug in die Welt der OER. Die nächste Station unserer Reise durch die Open-Science-Galaxien wird Open Data sein. Wenn ihr euch weiter mit Open Educational Resources beschäftigen wollt, empfehle ich euch folgende Seiten, auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin:

  • OERinfo | Informationsstelle Open Educational Resources – Sehr gelungene Übersichtsseite mit Blogbeiträgen, How-Tos und zahlreichen Materialien.
  • OER inForm – Die kurzen Informationsvideos sind sehr zu empfehlen.
  • OER an der Universität Heidelberg – Die Übersicht der Uni Heidelberg bietet einen knappen Überblick mit vielen lokalen Ressourcen und einer guten Erklärung der unterschiedlichen Lizenzen.
  • Was-ist-OER.de – 2018 hat der Pädagoge Jöran Muuß-Merholz ein frei verfügbares Buch zu Open Educational Resources veröffentlicht. In kurzen Kapiteln nimmt er seine Leserinnen und Leser durch den gesamten Prozess. Ein essentielles Nachschlagewerk!
  • OER-Forschung – Markus Deimann wirft einen kritischen Blick auf die Forschungslücke rund um die Effizienz, Wirkung und Qualität von OER.
Max Wetterauer, Team, Transfer Together
Max Wetterauer

Open Science und Social Media sind die großen Baustellen, an denen Max im Bereich Offene Hochschule tüftelt. Wenn ihm die 280 Zeichen auf Twitter mal nicht ausreichen, stillt er seinen Schreibdurst mit Artikeln hier auf dem Blog. Zu Max’ Projektseite.

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