PROJEKT SLAM

 

Christian Spannagel, Science Slam, Café Leitstelle, PH Heidelberg
Science Slams sind ein beliebtes Format der Wissenschaftskommunikation. Für die Abschlussveranstaltung von TRANSFER TOGETHER am 15. Juli bereitet das Projektteam gerade etwas Ähnliches vor: einen Projekt Slam. Max hat für das Team Tipps zusammengestellt, wie man einen 0815-Vortrag in einen spannenden Slam-Beitrag verwandelt – und teilt sie hier auf dem Blog mit euch.

Ein volles Haus, gute Feierabendatmosphäre und jede Menge Wissenschaft, unterhaltsam verpackt. So erleben wahrscheinlich viele einen Science-Slam-Abend. Ähnlich lief es auch bei unserem ersten Science Slam im Jahr 2019. Damals hatten sich rund 120 Leute im Heidelberger Café Leitstelle zusammengefunden, um fünf Slam-Beiträgen aus der PH Heidelberg zu lauschen.

Am 15. Juli 2022 feiert TRANSFER TOGETHER seine große Abschlussveranstaltung. Und es würde nicht zu unserem Projekt passen, würden wir eine 0815-Konferenz mit Sitzfleisch-Garantie abhalten. Wir möchten daher mit einem Projekt Slam ein bisschen Science-Slam-Feeling auf unserer Veranstaltung versprühen. Ein Slam also, der ganz im Sinne eines Science Slams über das Projekt und seine Inhalte kurzweilig informiert und unterhält.

Was ist ein Science Slam?

Das ist keine einfache Aufgabe – und so ein Slam schreibt sich nicht von alleine. Um das Team beim Schreiben seiner Slam-Beiträge zu unterstützen, habe ich ein kurzes Trainingsprogramm entworfen, in das ich hier einen Einblick geben möchte. Aber fangen wir vielleicht lieber von vorne an: Was ist überhaupt ein Science Slam?

Kurzgefasst: Bei einem Science Slam sprechen Wissenschaftler:innen über ihr Fachgebiet. Dafür haben sie aber nur 10 bis 12 Minuten Zeit. Sie müssen ihren Slam also auf eine Kernbotschaft konzentrieren. Die Wissenschaftler:innen binden das Publikum dabei aktiv ein (z.B. durch Fragen, Abstimmungen oder Experimente) und präsentieren ihre Inhalte so, dass sie für das Publikum verständlich sind und relevant erscheinen. Sprachliche Stilmittel sind dafür besonders hilfreich: So helfen etwa Metaphern oder auch Witze dabei, komplexe Inhalte ansprechend zu verpacken. Viele Science Slams sind außerdem als Wettbewerb angelegt. Das Publikum stimmt am Ende darüber ab, welcher Beitrag sie am meisten überzeugt hat.

Hier ein Beispiel von unserem Science Slam aus dem Jahr 2019:

PH-Studentin Charlotte mit ihrem Science Slam über die Ästhetik des Lernens beim Science Slam von TRANSFER TOGETHER 2019.

Man sieht an dem Beispiel: Science Slams sind ein tolles Format für Wissenschaftskommunikation – und machen obendrein richtig Spaß. Das Video gibt auch einen kleinen Einblick in das Feeling der Veranstaltung und erklärt vielleicht auch, warum wir davon etwas bei unserer Abschlussveranstaltung versprühen möchten. Wer noch mehr Beispiele braucht oder tiefer einsteigen möchte, findet eine gute Übersicht auch auf wissenschaftskommunikation.de.

Aber wie bereitet man nun so einen Slam-Beitrag vor?

Struktur hilft

Bevor man sich zu tief in die Materie stürzt, Grafiken erstellt und Witze durchdenkt, ist es hilfreich, sich eine Struktur zu überlegen:

  • Was ist mein Thema?
  • Wie lautet meine Kernbotschaft?
  • Das ist für euch relevant, weil …

Jede dieser Fragen sollte man mit einem Satz beantworten können. Nehmen wir das Beispiel der PH-Studentin Charlotte aus dem Video oben. Ihr Thema ist ästhetisches Lernen. Ihre Kernbotschaft lautet, dass Ästhetik dabei hilft, sich in einen Lernflow zu versetzen. Und das ist relevant, weil wir alle in unserem Leben bereits Lernerfahrungen gemacht haben. Wenn wir diese Struktur zur Grundlage eines Slam-Beitrags nehmen, können wir nun anfangen, ihn zielgerichtet mit Inhalten zu füllen.

Das Publikum ist für einen Science Slam entscheidend. Nicht nur, weil es möglicherweise in einem Wettbewerb darüber entscheidet, ob man den Slam gewinnt. Sondern auch, weil ein neugieriges Publikum die Speaker:innen durch den Slam “tragen” kann. Das Stichwort ist Neugier: Es ist die Aufgabe der Slammer:innen, die Neugier des Publikums auf das Thema zu wecken. Das gelingt etwa damit, dass die Relevanz des Themas für jede:n Einzelne:n im Publikum immer wieder betont wird. Oder indem mit Stilmitteln das Interesse am Vortrag ständig hochgehalten wird.

Teaser, Teaser, Teaser

Ein einfacher Weg hierfür ist ein Teaser (dt. Lockwerbung, Verlockung) zu Beginn des Slams. Der muss nicht sonderlich kreativ sein, sondern soll das Publikum vor allem neugierig auf mehr machen. Ein gutes Beispiel ist der TED-Talk von Prosanta Chakrabarty:

Prosanta Chakrabarty startet seinen TED-Talk mit einem Teaser und nutzt Metaphern, um sein Fachgebiet zu verdeutlichen.

Er stellt sich kurz vor und beginnt dann mit einer Anekdote aus seiner Arbeit:

Knowing you’re not monkey but a fish is actually really important to understand where we came from. […] And when my students finally understand why I call them ‘fish’ all the time, then I know I’m getting my job done. (dt. Um zu verstehen, woher wir kommen, ist es wirklich wichtig zu wissen, dass wir keine Affen sind. […] Und wenn meine Student:innen endlich verstehen, warum ich sie immer als “Fische” bezeichne, weiß ich, dass ich meinen Job richtig gemacht habe.)

Was macht das mit euch? Seid ihr nun nicht auch neugierig, was er damit meint? Mit dieser einfachen Methode löst er in euch nicht nur Neugier aus, sondern nennt obendrein seine Kernbotschaft: “Ihr seid Fische!”. Das hilft uns dabei, uns auf den Vortrag vorzubereiten. Wir wissen nun, was uns erwartet. Gleichzeitig erhöht er damit unsere Aufmerksamkeit für den restlichen Vortrag, denn wir suchen fortan die Antwort für seine Frage. Ein klassischer Teaser.

Kompliziertes gut verpackt: die Metapher

Ein weiteres Stilmittel in Chakrabartys TED-Talk sind Metaphern:

Think of life as being this book. An unfinished book for sure. We’re just seeing the last few pages of each chapter. (dt. Stellt euch das Leben als Buch vor. Es ist ein unvollendetes Buch. Und wir sehen immer nur die letzten paar Seiten jeden Kapitels.)

Anstatt seine Erkenntnisse nochmal fachlich zusammenzufassen, führt er ein Bild ein. Das Bild macht den Inhalt für uns konkreter, greifbarer. Es hilft uns, auf das Thema von einer frischen Perspektive zu blicken, die bei uns sofort Assoziationen auslöst.

Das ist eine beliebte Methode in der Wissenschaftskommunikation. Wichtig ist jedoch, dass man dieses Bild zu Ende denkt, damit es eindeutig bleibt. Christian Drosten hat im Podcast “Coronavirus Update” vom NDR mehrfach Metaphern benutzt, um komplizierte Sachverhalte zu erklären. Besonders bekannt wurde seine Auto-Metapher für die Immunität der Bevölkerung, in der er sich etwas verzettelte. Einen spannenden Beitrag dazu findet ihr bei Deutschlandfunk Kultur. Dort wird unter anderem erklärt, was Metaphern in unserem Gehirn auslösen und weshalb sie uns helfen, uns Dinge zu merken.

Ein kleines Highlight der verbildlichten Wissenschaft will ich euch aber nicht vorenthalten: Die Wissenschaftlerin und Kommunikatorin Mai Thi Nguyen-Kim hat bei einem Science Slam das Thema ihrer Doktorarbeit als Tanz verbildlicht. Daran sieht man ganz gut, wie weit man damit gehen kann:

Science Slam mit Mai Thi Nguyen-Kim und dem Drug Delivery Dance
Der Griff in die Stilmittel-Trickkiste

Es gibt natürlich noch viele weitere Stilmittel, etwa aus der Rhetorik, auf die ihr zurückgreifen könnt:

  • Rhetorische Fragen (Frage ohne erwartete Antwort), z.B. “Machen wir nicht alle Fehler?”
  • Klimax (Steigerung von Wörtern/Sätzen), z.B. “Es war nicht leicht, schwierig, kräftezehrend!”
  • Anapher (Wortwiederholungen), z.B. “Wir haben gesucht, wir haben geforscht, wir haben es geschafft!”

Solche Stilmittel sind hilfreich, um einen Science Slam zu verpacken. Sie sind das Werkzeug, mit dem man sich durch den Text arbeiten kann und die den Beitrag von einem gewöhnlichen Vortrag abheben.

Ein letzter Tipp

Es geht bei Science Slams auch darum, den eigenen Stil zu finden. Stilmittel können dabei helfen, das Aufsetzen einer Struktur oder die Entwicklung eines Skripts. Es hilft aber sicherlich auch, sich anzusehen, wie andere Slammer:innen ihre Beiträge gestalten.

Science Slams sind ein beliebtes Format im deutschsprachigen Raum. Es ist daher unglaublich einfach, gute Beispiele online (oder auch vor Ort) zu finden und sich davon inspirieren zu lassen. Auf dem YouTube-Kanal von ScienceSlam werden regelmäßig neue Videos hochgeladen. Und auch die internationalen TED-Talks könnt ihr als Beispiele heranziehen (wenn sie einen wissenschaftlichen Hintergrund haben). Außerdem findet ihr viele weitere Handreichungen zur Erstellung eines Slam-Beitrags, u.a. u.a. bei Games Bavaria (PDF) sowie auf Deutschlandfunk.

Unser Projekt Slam auf der Abschlussveranstaltung am 15. Juli

Ich freue mich auf jeden Fall auf unseren Versuch, das Format auf unser Projekt anzuwenden. Meldet euch heute noch an, wenn ihr dabei sein wollt!

Max Wetterauer, Team, Transferzentrum
Max Wetterauer

Open Science und Social Media sind die großen Baustellen, an denen Max im Bereich Offene Hochschule im Transferzentrum tüftelt.

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