ARBEIT MIT SINN

 

African Green Tec, Carsten Huber, Social Startup
Unser neuer Gründungsberater Carsten Huber gibt einen Einblick in seine Arbeit und zeigt am Beispiel Africa Green Tec, wieso es wichtig ist, dass Social Startups gesellschaftliche Herausforderungen auch auf unternehmerische Art lösen.

Wir stehen kommunal, national und global vor einer Vielzahl gesellschaftlicher Herausforderungen: fehlende Chancengleichheit, Klimawandel, demographischer Wandel, Migration und Integration, fehlender Zugang zu lebensnotwendiger Grundversorgung wie Medizin, Wasser, Essen und Bildung. Gleichzeitig beobachten wir, dass immer mehr junge Menschen nach einem Beruf mit Sinn suchen. Eine Lösung bietet hier eine wachsende Anzahl von Social Startups – also Startups, die den Anspruch verfolgen, gesellschaftliche Herausforderungen mit unternehmerischen Instrumenten zu lösen.

Social Startups – eine neue Generation

Dabei suchen Social Startups vielseitige Mitgründer*innen und Mitarbeiter*innen aus allen Branchen und Sektoren – wie z.B. Informatiker*innen, Betriebswirt*innen, Designer*innen, Ingenieur*innen, Bildungswissenschaftler*innen u.v.a.m. Häufig wird der gut bezahlte Job eingetauscht gegen Gemeinwohlorientierung, mit der sich dennoch Geld verdienen lässt.

Auch die Bundes- und Landesregierungen haben inzwischen den Wert von sozialen Innovationen erkannt und versuchen, mit unterschiedlichen Förderinstrumenten Sozialunternehmer*innen zu unterstützen.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Förderung jedoch noch in den Kinderschuhen steckt und Social Startups durch ihre besondere Ausrichtung häufig durch bestehende Förderraster fallen.

Die in Deutschland vorherrschende Unterteilung in gewinnmaximierende Unternehmen auf der einen und öffentlich finanzierte Einrichtungen bzw. über Mitgliedsbeiträge oder Spenden finanzierte Vereine und NGOs auf der anderen Seite reicht für Social Startups nicht mehr aus. Es muss möglich sein, wirtschaftlich handeln zu können, ohne den Planeten und Menschen zu übervorteilen.

Strom für Afrika

Wie das Ganze funktionieren kann, möchten wir an einem Beispiel aus unserem Gründungsalltag zeigen. Vor einigen Wochen hat uns ein ganz besonderes Gründungspaar besucht. Karolyn und Mohamed verbindet das große Ziel, die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur in Somalia nachhaltig zu verbessern. Woran es gleich zu Beginn vielerorts fehlt, ist Elektrizität. Nach zahlreichen Gesprächen und Workshops mit den beiden waren wir für den nächsten Schritt bereit und haben Africa Green Tec besucht.

Fünf Stunden ihrer Zeit schenkten uns die großartigen Gründer und ihr Team um Thorsten, Aida und Robert, um neben konkreten nächsten Schritten auch tiefe Einblicke in die persönlichen Erlebnisse aus etwa einem Jahrzehnt Social Entrepreneurship in Afrika zu besprechen. Africa Green Tec befähigt Menschen durch nachhaltige Energielösungen zu mehr Selbstbestimmung und Wachstum. Als Vorzeige-Sozial-Unternehmen hat Africa Green Tec in den letzten 6 Jahren bereits über 24.000 Menschen in Mali und Niger mit Strom versorgt. Gemeinsam mit regionalen Unternehmern vor Ort gewinnt AGT Investor*innen aus der ganzen Welt, die in ihre dezentralen Solar-Container investieren. Der erzielte Impact ist gewaltig: Neben der erstmaligen Stromversorgung der Dörfer verhilft der Solar-Container den Dorfgemeinschaften zu einer erheblichen Steigerung der ansässigen Kleinunternehmer*innen, einem eigenen Kühlsystem und Internetzugang.

Karolyn und Mohamed sind begeistert und so stehen die Zeichen gut, dass Somalia nicht mehr länger durch Piraterie bekannt wird, sondern durch eine neue Bastion von Sozial­unternehmer*innen.

TZ-Accelerator

Ihr habt Lust bekommen, euer eigenes Social Startup oder eine Initiative zu gründen? Der TZ Accelerator der pädagogischen Hochschule Heidelberg identifiziert gesellschaftliche Probleme und erarbeitet gemeinsam mit euch innovative Lösungen. Im Rahmen des Programms werden erfolgversprechende Lösungen für mehr Chancengleichheit systematisch entwickelt und in der Region verankert.

Mehr Infos findet ihr auf www.transfertogehter.de/tz-accelerator

Carsten Huber

Carsten ist für die Innovations- und Gründungskultur an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zuständig. Als erfahrener Gründer unterstützt er Gründungsvorhaben von der Ideenfindung bis zur Investment Readiness.

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