STRUKTUR & MOTIVATION IM HOMEOFFICE

 

Laura Arndt, Homeoffice
Unverhofft kommt oft: Wer nicht in den systemkritischen Berufen gebraucht wird, befindet sich nun im Homeoffice. Klingt entspannt, kann aber angesichts fehlender Struktur herausfordernd sein und die Motivation bremsen. Laura setzt sich mit diesen Problemen auseinander und berichtet aus dem Projekt über individuelle Kniffe.

Nachdem wir durch Corona zur Büroarbeit verdonnert wurden, weil zunehmend alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten, können wir nun kaum noch unsere vier Wände verlassen, weder zum Arbeiten noch zur Freizeitgestaltung. Das ist bitter, wenn ich so darüber nachdenke. Mir nimmt das jede Struktur, weil es völlig egal ist, wann ich mit der täglichen Arbeit beginne, wann ich pausiere und wann ich Feierabend mache. Starten kann ich jederzeit, der Schreibtisch läuft nicht weg. Wie lange oder effektiv ich arbeite, auch das ist egal, denn ein Feierabend ist wenig attraktiv, da ich das Haus und somit den Arbeitsplatz höchstens zum Joggen oder Einkaufen verlassen kann.

Anders als sonst wird mein Feierabend nicht eingeläutet durch das Treffen von Freunden, einen Abstecher ins Fitnessstudio, in die Boulderhalle, ins Restaurant oder ins Kino. Schlimmer noch: Mittlerweile verlasse ich kaum noch den Schreibtisch, da mein Laptop nicht nur Arbeitsgerät, sondern auch Unterhalter ist. So verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fast vollständig. Auf diese Weise funktioniert weder produktives Arbeiten noch aktive Freizeitgestaltung. Es mangelt einfach an Struktur und Motivation. Wie kann ich dieses Dilemma überwinden?

Tipps von der Schwarmintelligenz

Klar ist, auf die meisten von uns wirken sich die ungewohnten und einschränkenden Umstände vermutlich in Form von Stress und Trübsal aus. Ich bin mit diesem Problem nicht alleine und vermutlich auch nicht die einzige Person, die nach Lösungen sucht. In einem virtuellen Team-Meeting habe ich meine Probleme mit den Umständen beschrieben und viel Empathie erfahren.

Mehr noch: Ich erhielt viele Anregungen, persönliche Tipps und kreative Ideen als Antwort. Diese vielen Kniffe habe ich gesammelt und möchte sie gerne mit euch teilen.

1. Strukturen schaffen

Ein Problem am Homeoffice ist, dass die Strukturen von Arbeitsplatz und Zuhause bzw. Freizeit aufgelöst werden. Wie schaffe ich mir also neue Strukturen, die meinem Alltag wieder eine Taktung geben?

Tagesablaufpläne von Chiaras Tochter (links) und mir (rechts). Meinen habe ich allerdings überworfen, als ich die Idee zu diesem Beitrag bekam und habe sodann in die Tasten gehauen.

Melanie kommuniziert ihrer Familie Arbeitsbeginn und -ende. Dazwischen sitzt sie mit ihrem symbolischen Blazer im privaten Arbeitsbereich und führt digital Gespräche. Auch Daniel berichtet mir von seinen Arbeitsklamotten – von meiner Jogginghose, die bei Videokonferenzen wortwörtlich übersehen wird, habe ich mich schon verabschiedet. Termine sind wichtig, findet meine neue Kollegin Dinah. Sie notiert ihre Online-Termine für die ganze Familie sichtbar am Whiteboard. Auch Daniel meint, dass terminliche Verbindlichkeiten wichtig sind, am besten direkt zu Arbeitsbeginn und -ende. Das hat dann noch den Effekt, dass man gemeinsam Tagesziele setzen und überprüfen kann. Auf „Ziele“ komme ich aber noch zu sprechen. Was Melanie und Chiara gemeinsam haben: Sie schreiben Tagesabläufe für sich und die Kinder. Solch einen Stundenplan habe ich mir direkt als Vorbild genommen und einen eigenen für diesen Tag entworfen.

Die grundsätzliche Orientierung an klaren Verbindlichkeiten und Zeiträumen scheint bei allen Vorschlägen ein Erfolgsrezept zu sein. Kleiner Tipp von Melanie: Digitale Hilfsmittel, wie Organizer, Kommunikationstools und gemeinsam synchronisierte Kalender unterstützen bei der konsequenten Umsetzung von klaren Verbindlichkeiten und Zeiträumen. Nebenbei gibt es auch tolle, digitale Hilfsmittel und Plattformen für die Kinderunterhaltung, wie zum Beispiel www.mintmagie.de .

Motivation steigern

Bei der Motivation kann ich auf zwei Bereiche mehr oder weniger Einfluss nehmen. Entweder kann ich Pausen und den Feierabend schmackhaft gestalten (OK, viele Möglichkeiten gibt es nicht mehr) oder ich kann den Arbeitsrahmen angenehm, aber auch herausfordernd organisieren.

Ich persönlich kann mich am besten über die aktive Gestaltung von Pausen und Feierabenden motivieren. Das liegt nicht daran, dass ich meine Aufgaben nicht mag, sondern weil mir solche Strukturen eine Zielrichtung vorgeben. Und besser noch: Erreiche ich sie, werde ich mit etwas Schönem belohnt. Ich kann beispielsweise meinen Arbeitstag mit Pausen spicken, in denen ich bewusst den konkreten Arbeitsplatz verlasse und mich bewege (Überraschung, der Tipp kommt von Chiara!). Sowohl eine Runde Yoga als auch eine Tanzpause sind denkbar. Hauptsache ist, dass es Spaß macht. Ich versuche zudem täglich eine „Pause von Zuhause“ zu machen. Entweder ich verbinde das Schöne mit dem Nützlichen und führe ein Dienstgespräch bei einem Spaziergang (die Schuhe sagen einiges), oder ich nehme die „Pause von Zuhause“ wörtlich und besuche den Garten oder den Balkon und lese eine Weile. So etwas ist auch neben dem Joggen bald als Feierabendgestaltung denkbar, wenn das Wetter weiter so mitspielt. Hauptsache ist, dass ein kleines Tageshighlight, wie ein leckeres Essen, ein Spieleabend oder eine Runde Telekneipe, nicht vernetflixt wird.

Ich kann aber auch meinen Arbeitsrahmen oder manche Aufgaben motivierend gestalten. Ungewöhnliche und kreative Aufgaben (wie dieser Blogbeitrag hier) machen mir Spaß und sind zumindest momentan zeitlich möglich. In den letzten Wochen sind mir viele tolle Ideen gekommen, die ich in meinem abgelichteten Ideenspeicher gesammelt habe. Ich möchte mir daraus wöchentlich ein kleines Projekt aussuchen. Damit steigere ich nicht nur die Vielfalt meiner sonstigen Aufgaben, sondern das produktive und zielgerichtete Arbeiten fällt mir gleich viel leichter. Für mich ist auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes wichtig. Ich persönlich mag sortiertes Chaos, persönliche Botschaften und Fotos, wie ihr sehen könnt.

Wer bei der Bezeichnung „sortiertes Chaos“ ins Stutzen geraten ist, kann diese Umschreibung vielleicht nun (erstes Bild) nachvollziehen. Das letzte Bild zeigt meinen Ideenspeicher und die fraglichen persönlichen Botschaften. Meine Schuhe (in der Mitte) verraten wie meine Spaziergänge und Talk-and-Walks verlaufen.

Stress bewältigen

Daniel hat mir im Gespräch nicht nur persönliche Kniffe verraten. Er hat daraufhin auch noch Strategien aus Sicht des Heidelberger Kompetenzzentrum verschriftlicht. Ein wichtiger Faktor ist nämlich auch, dass diese ungewohnte und aufreibende Situation Stress für uns alle bedeutet. Die Stressbewältigung ist daher ebenfalls ein relevanter Faktor, um nicht nur im Homeoffice produktiv sein zu können, sondern auch das Wohlbefinden im Alltag generell zu steigern. Daniel gibt hierzu drei weitere Tipps:

  • Positive Inseln und Rückzugsorte sind das A und O. Stress können wir mit positiven Gefühlen bewältigen, weshalb kleine Wohlfühlmomente wichtig sind, entweder ein Kaffee auf dem Balkon, ein Spaziergang mit dem Hund oder weitere Vorschläge aus der Motivationssteigerung. Wichtig ist dabei aber auch, Geduld mit sich selbst zu haben, denn die Umstellung ist aufwändig und anstrengend – nicht zuletzt durch die sehr begrenzten Möglichkeiten momentan.
  • Persönliche Ziele sind natürlich weiterhin wichtig. Selbstmitgefühl zu haben bedeutet nicht, dass wir nun die Füße hochlegen können. Das Selbstwirksamkeitserleben durch das Erreichen beruflicher und persönlicher Ziele sorgt ebenfalls für positive Gefühle, allerdings nur dann, wenn Ziele zeitnah erreicht werden können, attraktiv und realistisch sind. Wie ihr euch solche Ziele setzen könnte, erfahrt ihr hier:
  • Vor allem unsere Umgebung verursacht Stress. Eine Besinnung auf unser Inneres, auf Bedürfnisse, Ressourcen und Stimmungen, kann dafür sorgen, die äußeren Stressfaktoren ausblenden zu können. Das kann damit anfangen achtsam zu Essen und somit das Mittagessen von der Arbeit abzukoppeln (ich persönlich habe das simultane Essen-am-Schreibtisch-und-E-Mails-beantworten eingestellt). Aber auch konkrete Achtsamkeitsübungen zum Feierabend- oder Pausenbeginn können inneren Unruhen beikommen.

Testphase

Angesichts vieler toller Vorschläge und konkreter Strategien, möchte ich diese Ideensammlung jetzt auch ausprobieren. Angeleitet und im Austausch mit Daniel entwickeln und erproben wir einen möglichen Workshop auf Grundlage dieser Ideen und Strategien. Ich möchte nach der Workshopteilnahme bewusst eine Woche verschiedene Kniffe ausprobieren. Im Anschluss sprechen Daniel und ich darüber, was es gebracht hat. Wäre doch ein guter Anlass für einen Podcast, oder?

Bis dahin könnt ihr mir eure Kniffe verraten, die ich gerne ausprobieren werde, oder von eigenen Erfahrungen berichten. Bleibt strukturiert, motiviert und entspannt!

Laura Arndt
Laura Arndt

Laura ist seit Januar 2018 im Team von TRANSFER TOGETHER und arbeitet für das Teilprojekt MINT-Bildung auch mal in einem Eisfach-Labor, wo zwar wärmeempfindliche Chemikalien geschont werden – die Laborantin aber nicht. Zu Lauras Projektseite.

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