SITZEN IST (K)EIN ZUCKERSCHLECKEN

 

Zucker, Diabetes, unsplash.com, Sharon McCutcheon
Zum Weltdiabetestag am 14. November spricht Chiara im Heidelberger Rathaus darüber, wie man Diabetes leicht bewegt begegnen kann. Ihre Gedanken dazu, wie sich ewiges Sitzen und Gesundheit bedingen, hat sie schon einmal im neuen Blogbeitrag geordnet.

Diabetes mellitus Typ 2 ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Sie führt zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel und kann durch Lebensstilveränderungen (Ernährung, Bewegung) vorgebeugt und im Erkrankungsfall günstig beeinflusst werden.

Sitzen ist (k) ein Zuckerschlecken – was soll das denn bitte heißen? Diesen Slogan haben sich meine Kolleg*innen von TRANSFER TOGETHER beim kreativen Brainstorming für einen Workshoptitel zum Thema „Sitzendes Verhalten und Diabetes mellitus“ am Weltdiabetestag ausgedacht. Und je länger ich darüber nachdenke, desto beeindruckter bin ich, wie fünf Nichtmediziner*innen und Gesundheitslaien den Nagel dermaßen auf den Kopf treffen können. Wieso ich eine derartige Brillanz in mein Team hineininterpretiere, möchte ich hier kurz erklären. Schauen wir uns den Slogan genauer an:

1. Sitzen ist kein Zuckerschlecken

Jede*r, der mal längere Zeit am Stück sitzen musste, z.B. am PC, während einer langen Autofahrt, in einem Wartezimmer etc., kennt wahrscheinlich dieses Gefühl, langsam zu ermüden und sich zunehmend zu verspannen. Dass lang andauerndes Sitzen Verspannungen und Rückenschmerzen begünstig, ist lange bekannt. Die Belastung der Bandscheiben ist in sitzender Position am höchsten.

Aber auch der Stoffwechsel schaltet im Sitzen auf Sparflamme. Dadurch, dass im Sitzen unsere Muskeln kaum arbeiten, verbrauchen wir weniger Energie, atmen haltungsbedingt flacher und die Durchblutung verlangsamt sich. Nicht gerade beste Voraussetzungen für eine top Performance bei der Arbeit. Studien zeigen, dass ein sitzender Lebensstil dauerhafte Müdigkeit (Fatigue) und Ängstlichkeit, sowie die Entstehung von Depressionen und Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt.

Ich fasse zusammen: Verspannungen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Ängstlichkeit, Depressionen und Herz-Kreislauferkrankungen. Lang andauerndes, ununterbrochenes Sitzen ist definitiv kein Zuckerschlecken!

Oder doch?

2. Sitzen ist ein Zuckerschlecken

Gut, sprachlich betrachtet kann man sich über diese Aussage streiten. Physiologisch betrachtet, ist sie jedoch korrekt. Lang andauerndes Sitzen reduziert die Stoffwechselaktivität und damit auch den Glukoseverbrauch. Wer täglich lange sitzt, riskiert damit Übergewicht und Diabetes mellitus.

Umgekehrt sieht es für Körperliche Aktivität aus: so kommt es durch Ausdauertraining zu einer effizienteren Aufnahme und Verstoffwechselung von Glukose in die Muskelzellen. Mit Krafttrainig kann man über einen zusätzlichen Glukosetransporter die Aufnahme von Glukose in den Muskel noch weiter verbessern und erhöht mit wachsender Muskelmasse zudem auch den Grundumsatz (= Energieverbrauch, den man in Ruhephasen hat).

Regelmäßiges, einfaches Aufstehen fällt zwar nicht unter die Rubrik Ausdauertraining, hat jedoch trotzdem einen günstigen Effekt auf den Zuckerhaushalt. Ideal ist es, Sitzen alle 30 Minuten nicht nur durch Stehphasen, sondern durch leichte Alltagsaktivitäten zu unterbrechen: ein paar Schritte zum Mülleimer laufen, die Toilette im anderen Stockwerk benutzen, nach dem Mittagessen ein paar Minuten Zeit in einen kurzen Spaziergang investieren. Ganz egal, ob im Büro oder im Haushalt: Gelegenheiten für leichte Alltagsaktivitäten finden sich ständig. Und das Beste daran: Sie sind weder anstrengend, noch kosten sie Zeit oder Geld. Man muss nur daran denken, sie wie einen roten Faden in den Alltag einzubauen, um lange Sitzphasen zu vermeiden.

Wer möchte, kann sich auch durch Apps daran erinnern lassen, zwischendurch mal aktiv zu sein. Und wer ein wenig Workout in den Alltag integrieren möchte, braucht weder viel Zeit noch teure Ausstattung. Wie wäre es, öfter mit dem Fahrrad statt dem Auto zu fahren, ein paar Kniebeugen hinterm Schreibtisch zu machen und einfach jede sich bietende, günstige Gelegenheit für Bewegung zu nutzen?

Risiken und Nebenwirkungen?

Verstärktes Wohlbefinden, erhöhter Kalorienverbrauch und günstigere Blutzuckerwerte.

Ich fasse zusammen: Lang andauerndes, ununterbrochenes Sitzen ist kein Zuckerschlecken, sondern begünstigt die Entstehung von chronischen Erkrankungen und ist Wachheit und Wohlbefinden nicht gerade zuträglich. Regelmäßiges Aufstehen und Bewegen im Alltag sind einfache Maßnahmen die helfen können Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern und den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten.

Bewegung ist eine der besten Vorbeugungsmaßnahmen und zugleich auch eine der besten ergänzenden Therapien von Diabetes mellitus. Also los, nix wie ab nach draußen, das süße Leben genießen.

Der Weltdiabetestag findet am 14. November 2019 statt. Die Stadt Heidelberg hat u.a. in Kooperation mit TRANSFER TOGETHER ein Veranstaltungsprogramm im Großen Rathaussaal (Marktplatz 10, 69117-HD) zusammengestellt. Von 16 bis 20 Uhr gibt es vielfältige Events rund ums Thema Diabetes, u.a. mit Chiara Dold vom Teilprojekt „Leicht bewegt“ und Daniel Preus vom Heidelberger Kompetenztraining (HKT).

Chiara Dold, Team, Transfer Together
Chiara Dold

Chiara bringt Bewegung ins Büro: Sie entwickelt ein webbasiertes Toolkit, das Unternehmen dabei unterstützt, leichte körperliche Aktivität in den Arbeitsalltag zu integrieren. Zu Chiaras Projektseite und dem Projekt Kopfstehen.

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