WEILS GEMEINSAM BESSER KLAPPT

 

Together, Working-Out-Loud, Graffiti, unsplash.com, bamagal
Homeoffice macht Networking bekanntlich nicht einfacher und selten klappt ein Projekt dann am besten, wenn man sich zum Arbeiten ins stille Kämmerlein verkriecht. Die Methode Working-Out-Loud hilft dabei, Netzwerke für die eigene Arbeit zu knüpfen. Im Frühjahr 2020 haben vier Transferlinge die Methode ausprobiert. Hat es sich gelohnt?

Nachdem uns Hannu Sparwald auf die Methode aufmerksam gemacht hatte, ging es im Frühjahr los: Wir – Christina Kowalczyk, Christina Trautmann, Julika Ritter und Max Wetterauer – trafen uns 12 Mal in unserem Working-Out-Loud-Circle, kurz WOL-Circle. Als das Coronavirus uns ins Homeoffice trieb, fanden die Treffen digital statt.

Was ist Working-Out-Loud?

Hinter dem Begriff steckt eine Methode, die von John Stepper entwickelt wurde. Im Kern geht es darum, ein Netzwerk aufzubauen, das dabei hilft, ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen. Dafür findet man sich 12 Mal als Gruppe zusammen und führt – teils für sich, teils gemeinsam – Aufgaben durch. So haben wir etwa eine Liste mit Menschen, Einrichtungen, Initiativen etc. erstellt, die wir mit unserem Ziel in Verbindung bringen und die uns diesem näher bringen. Und wir haben begonnen, uns aktiv mit diesen zu vernetzen. Wir haben aber auch (öffentlich oder privat) Menschen zusammengebracht, die beispielsweise an einem gemeinsamen Projekt oder Thema arbeiten, sich noch nicht kennen, sich aber gegenseitig bereichern könnten. Oftmals ging es darum, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, einen Austausch zu initiieren, Networking zu strukturieren und sich das eigene Ziel bewusster zu machen.

Wir alle haben sehr unterschiedliche Ziele verfolgt, kamen wir doch auch aus anderen Teilbereichen. Christina K. hatte sich beispielsweise ihr Fernstudium vorgenommen: „Ich bin mit verschiedenen Erwartungen an den WOL-Circle herangegangen: Zum einen habe ich mich auf einen spannenden Austausch mit TRANSFER-TOGETHER-Mitgliedern gefreut, mit denen ich im normalen Arbeitsalltag eher weniger zusammenarbeite. Zum anderen habe ich mich gefreut, intensiv an meinem Fernstudium zu arbeiten und durch das festgelegte Lernziel hatte ich auch den äußeren Druck, innerhalb der 12 Wochen fertig zu werden.“

„Nichts ist wirklich Pflicht“

So streng die Schritt-für-Schritt-Programm auf den ersten Blick wirkt – es ist doch eine sehr flexible Angelegenheit, findet auch Christina T.: „Bei WOL ist nichts wirklich Pflicht. Alle können sich nach Lust, Laune und Zeit mehr oder auch weniger mit ihren ausgewählten Themen beschäftigen. Mir hat die Regelmäßigkeit der Treffen sehr dabei geholfen, mein ausgewähltes Vorhaben besser zu strukturieren, persönliche Meilensteine zu setzen und diese auch zu verfolgen.“

Ein wichtiger Aspekt war auch die Selbstreflexion und das öffentliche Auftreten, findet Max: „Viele Aufgaben haben dazu verleitet, über die eigenen Stärken und Schwächen nachzudenken. Zum Beispiel sollten wir uns (möglichst) öffentlich bei jemandem bedanken und ihm oder ihr unsere Aufmerksamkeit zeigen. Das hatte ich auf diese Weise noch nie gemacht und ich habe gemerkt, wie schwer mir das anfangs fiel. Die Reaktionen waren dann aber so positiv, dass mich das (bis heute) motiviert hat, öfter Menschen für etwas zu danken.“

Wenn ihr Interesse habt, selbst Working-Out-Loud auszuprobieren, könnt ihr euch die 12 Schritte kostenlos als PDF durchlesen. Dort könnt ihr auch ein Gesuch aufgeben, wenn ihr noch andere Menschen für euren Circle sucht. Mitglieder der PH Heidelberg können sich bei Fragen und Interesse gerne auch an das Transferzentrum wenden.

Was bleibt?

Christina K. geht mit einem positiven Gefühl aus den 12 Wochen: „Ich habe vom Working-Out-Loud-Circle mitgenommen, dass es wichtig ist, sich und seine Arbeit sichtbar zu machen. Es lohnt sich, sich mit anderen im gleichen Berufsfeld zu vernetzen. Darüber hinaus habe ich die Vorteile sozialer Netzwerke kennen und zu schätzen gelernt.“ Auch für ihre BNE-Kollegin Christina T. war es eine spannende Erfahrung: „Working-Out-Loud hat mich inspiriert und ich habe mich jede Woche auf das Treffen gefreut, des Austauschs und der Motivation wegen.“

„Man sollte sich vorab darauf einstellen, dass die Treffen nicht die Arbeit an dem Ziel ersetzen,“ betont Max. „Die Treffen und die Aufgaben helfen dabei, das Thema vor einem anderen Hintergrund zu sehen. Doch dabei sollte man nicht vergessen, dass man auch Zeit braucht, um tatsächlich an dem Vorhaben zu arbeiten.” Trotzdem würde er wieder einem WOL-Circle beitreten.

Julika war sofort motiviert in einen zweiten Circle zu starten, diesmal mit Kolleginnen der Innovativen Hochschule in Stuttgart und Oldenburg: „Dabei geht es mir weniger um mein individuelles Ziel, sondern vielmehr um die Art zu arbeiten, die Working-Out-Loud zugrunde liegt. Da mag der Titel etwas irreführend sein. Es geht nämlich nicht darum, einfach nur laut darüber zu sprechen, woran ich arbeite. Vielmehr geht es ums sichtbar werden,“ sagt Julika. „Am besten lässt sich Working-Out-Loud daher auch eigentlich mit nach außen gerichtetes Arbeiten übersetzen. Ich habe gemerkt, wie wichtig das für meinen beruflichen Erfolg aber auch für den Spaß an meiner Arbeit ist. Heute geht gefühlt nichts mehr ohne Sichtbarkeit und gezielte Vernetzung. Das stellt mich und wahrscheinlich die allermeisten aber immer wieder vor große Herausforderungen. Doch gut Netzwerken zu können ist keine besondere Gabe und kein besonderes Talent. Sicherlich liegt es dem einen mehr als der anderen, aber dennoch ist Netzwerken erlernbar. Und genau das hat mir WOL gezeigt und deshalb bleibe ich da auch am Ball.“

Working-Out-Loud im Hochschulkontext – macht das Sinn? Hat das Mindset von Working-Out-Loud einen festen Platz an Hochschulen? Stay Tuned: Das Transferzentrum der PH Heidelberg plant gerade etwas.

Der Working-Out-Loud-Circle aus dem Team von TRANSFER TOGETHER:

Christina Kowalczyk
Christina Kowalczyk

Seit September 2019 koordiniert und begleitet Christina verschiedene Aktivitäten des BNE-Zentrums Heidelberg. Egal, ob bei der Ringvorlesung oder der Mitgliederversammlung – ohne Nachhaltigkeit geht bei ihr nichts. Zu Christinas Projektseite.

Julika Witte, Team, Transfer Together
Julika Ritter

Julika koordiniert von Beginn an das Gesamtprojekt und ist Ansprechpartnerin für alles, von A wie Alumni-Arbeit bis Z wie Zebra. Zu Julikas Projektseite.

Christina Trautmann
Christina Trautmann

Christina stellt zusammen mit Firmen unterschiedlicher Sektoren Workshops für Azubis auf die Beine, die das Thema Klimawandel verständlich beleuchten und die Notwendigkeit zur Anpassung greifbar machen. Zu Christinas Projektseite.

Max Wetterauer, Team, Transfer Together
Max Wetterauer

Open Science und Social Media sind die großen Baustellen, an denen Max im Bereich Offene Hochschule tüftelt. Wenn ihm die 280 Zeichen auf Twitter mal nicht ausreichen, stillt er seinen Schreibdurst mit Artikeln hier auf dem Blog. Zu Max‘ Projektseite.

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